Veranstaltungen

Öffentliche Präsentation des Modells der römischen Palastvilla von Frauenzimmern am Dienstag, 17.3.2020

Öffentliche Präsentation des Modells der römischen Palastvilla von Frauenzimmern am Dienstag, 17.3.2020

Modell Villa Frauenzimmern

 

Öffentliche Präsentation

des Modells der römischen Palastvilla von Frauenzimmern

am

Dienstag, 17. März 2020 um 18:15 Uhr

im Römermuseum Güglingen, Heinz-Rall-Saal (2. OG)

 

In den Jahren 1991/92 wurden im Gewann „Steinäcker“ in Güglingen-Frauenzimmern im Vorfeld eines Bebauungsvorhabens Teile einer seit dem 19. Jahrhundert bekannten römischen Villenanlage untersucht. Obwohl die Substanz dieser Fundstelle infolge intensiver Überackerung in einem schlechten Zustand war, lieferte ihre Ausgrabung aufsehenerregende Ergebnisse und bot eine unerwartet große archäologische Sensation: Die Villa verfügte über ein 90 m2 großes Wasserbecken, an dem einst Szenen aus der Odyssee Homers als Reliefzyklus angebracht waren. Ein derartiger Fund ist bis heute nördlich der Alpen vollkommen einzigartig und weist Parallelen zu den Privatvillen römischer Kaiser in Italien auf, wie der des Kaisers Claudius in Baiae am Golf von Neapel, Tiberius in Sperlonga (Latium) und Hadrian in Tivoli bei Rom.

 

Die unzähligen Relieffragmente bestanden aus vielen Tonnen Steintrümmern und über Jahre war es nicht gelungen, das Bildprogramm des Odyssee-Zyklus zu rekonstruieren. So wurde mit Beginn der Arbeiten zum Aufbau des Römermuseums die Bearbeitung dieser Bruchstücke gemeinsam mit der Universität Stuttgart initiiert. Sie erstreckte sich daraufhin über acht Jahre im Zeitraum von 2006 bis 2013, bis schließlich im Rahmen ihrer Einweihung am 9. März 2014 in der Dauerausstellung des Römermuseums der Öffentlichkeit übergeben werden konnte.

Flankiert wurde die Erstpräsentation mit der Begleitausstellung „Odyssee im Zabergäu“, welche die literarischen und künstlerischen Hintergründe der Frauenzimmerner Reliefs umfassend beleuchtete und im Römermuseum vom 6. November 2013 bis zum 12. April 2015 gezeigt wurde.

 

Der einstige Besitzer der Frauenzimmerner Villa war wohl der mit großem Abstand wohlhabendste Mann in weitem Umland. Mit den Reliefs dokumentierte er nicht nur seinen Wohlstand, sondern vor allem auch seine Bildung und kulturelles Bewusstsein – mindestens ebenso wichtige Ideale der damaligen Zeit. Wirtschaftlich war er so erfolgreich, dass er selbst ab dem beginnenden 3. Jahrhundert, der Zeit des umfassenden wirtschaftlichen Niedergangs, noch weiter in die Ausstattung seiner Anlage investieren konnte. Ein weiteres Schlaglicht auf seinen Wohlstand warf 2014 die Ausgrabung eines riesigen Pfeilergrabmals in den „Langwiesen“, das zu einer separaten Hofgrablege gehörte.

 

Und auch die Villa von Frauenzimmern ist alles andere als gewöhnlich: Bei ihr handelt es sich nicht um eine Anlage, die dem gängigen Bautyp entspricht. Sie kann als eine Villa urbana bzw. Achsenhofvilla angesprochen werden, von denen es nur sehr wenige in Baden-Württemberg gibt: Das umfriedete Areal einer solchen Villa ist viele Hektar groß und zweigeteilt in einen reinen Wirtschaftsteil und einen Wohnteil, in dem sich neben den repräsentativen Gebäuden vornehmlich parkähnliche Anlagen befanden. Die einzelnen Baukörper des Hauptgebäudes sind um einen zentralen Innenhof herum angeordnet, das äußere Erscheinungsbild palastartig.

 

Die Begeisterung anlässlich der Einweihung der Reliefpräsentation führte dazu, dass im Nachgang ein privater Spender durch eine großzügige Spende ein Modell der Villenanlage mitsamt des Wasserbeckens anregte. Nach ersten Sondierungen schien das Vorhaben jedoch angesichts einer mindestens mittleren fünfstelligen Summe für die Verwirklichung des Projektes im klassischen Modellbau zunächst nicht realisierbar.

 

In zwei Jahre währendem privatem Engagement wurde daraufhin die gesamte Villenanlage auf der Basis der ausgegrabenen Grundrisse in einem komplexen 3-D-Modell rekonstruiert. Ziel dieser Bemühungen war es, einen im Verhältnis zum klassischen Modellbau sehr viel günstigeren 3-D-Druck eines dreidimensionalen Modells zu realisieren.

 

Als Maßstab wurde der Modellbahnmaßstab Z (1:220) gewählt. Da die riesige Dimension des ausgegrabenen Villenteils eine Ausdehnung von 120 x 210 Metern, also 2,52 Hektar Fläche besitzt, wäre die darzustellende Fläche im Maßstab 1:50 (wie bei den anderen Museumsmodellen) im Modell 2,4 x 4,2 Meter groß geworden. Zum anderen ist Z der kleinste Modellbahnmaßstab, für den noch gängiges Landschaftsbauzubehör erhältlich ist.  

 

In der weiteren Realisierung wurde das entstandene, hochkomplexe und datenintensive 3-D-Modell von einer Spezialfirma umgesetzt, wobei die rekonstruierten Baukörper direkt farbig 3-D-gedruckt wurden. Durch die Kleinmaßstäbigkeit bewegte sich die Realisierung am absoluten Limit des überhaupt technisch Machbaren.

Die weitere Ausgestaltung des Architekturmodells in Hinsicht auf die Garten- und Landschaftsgestaltung erfolgte dann in Güglingen. Der hierbei verwirklichte Rekonstruktionsvorschlag lehnt sich stark an bereits vorhandene, bekannte Beispiele an: So liegen in den ausgedehnten Parkanlagen der Römerzeit die Anfänge der Garten- und Landschaftsgestaltung überhaupt, deren Kunst in den Barockgärten gipfelte.

 

Rechtzeitig zum diesjährigen großen Jubiläum „1225 Jahre Frauenzimmern“ gelang es nun, dieses mehrjährige Projekt fertigzustellen und es nun der Öffentlichkeit vorzustellen.

Museumsleiter Enrico De Gennaro wird bei der Präsentation des neuen Modells nicht nur auf die bauliche Rekonstruktion der Anlage und die Funktion der einzelnen Baukörper eingehen, sondern auch auf die im Rekonstruktionsvorschlag verwirklichten Konzepte römischer Garten- und Parkanlagen.

Alle Artikel der Rubrik: