Aktuelles

Öffnung und Schließung

Infos zu Öffnung und Schließung

Im Landkreis Heilbronn schwankt die Lage hinsichtlich der Inzidenzzahlen recht stark und es muss hinsichtlich der Museumsöffnung und -schließung bekanntlich flexibel darauf reagiert werden.

 

Auskünfte über die aktuelle Lage erhalten Sie unter 07135/9361123 (innerhalb der eigentlichen Öffnungszeiten von Mittwoch bis Samstag mit Direktkontakt, ansonsten bei Aufsprache auf AB mit Rückruf durch unsere Mitarbeiter).

 

Unter dieser Nummer nehmen wir bei Öffnung auch Ihre Anmeldungen im Voraus entgegen. Für das jeweilige Wochenende sollten Anmeldungen bis spätestens Freitag um 18 Uhr erfolgt sein.

 

 

Bei geöffnetem Museum gilt:

 

Zeitgleich sind auf der Fläche des Römermuseums 7 Personen erlaubt. In organisatorischer Hinsicht vergeben wir für die Besichtigung zweistündige Zeitfenster (zu jeder geraden vollen Stunde beginnend).

 

Das Hygienekonzept orientiert sich an den aktuell geltenden Vorschriften (Handdesinfektion, Besucherliste, Abstandsregel, Tragen von geeignetem Mund-/Nasen-Schutz, Besucherbegrenzung entsprechend der Dauerausstellungsfläche).

Die Caféteria bleibt bis auf Weiteres geschlossen.

 


 

Aufgrund der geltenden Regelungen können Veranstaltungen wie z.B. geführte Besichtigungen zunächst nicht stattfinden.

 

Dennoch gibt es die Möglichkeit, die Dauerausstellung mit übergeordneten Informationen selbst zu begehen:

So verfügt das Römermuseum über einen dreisprachigen Audioguide in Deutsch, Englisch und Französisch und je nach Sprache kann man sich Informationen mit einer Gesamtspielzeit von ca. 35-45 Minuten anhören.

Dass dieser Audioguide nicht hardwarebasiert ist, erweist sich gerade jetzt von Vorteil und daher der Tipp: Das eigene Smartphone mitbringen – es ist nur eine Internetverbindung und eine gängige QR-Code-Reader-App notwendig.

Sonderausstellung "Heinz Rall – Kirchenbauten"

Sonderausstellung "Heinz Rall - Kirchenbauten"

Heinz Rall – 

Kirchenbauten 1959 – 1977

 

Ausstellung zum 100. Geburtstag des Architekten mit Fotografien von Rose Hajdu

 

Verlängert: 27.9.2020 – 12.9.2021

 

Ort:

Rathaus Güglingen, Marktstraße 19-21, 74363 Güglingen

 

Öffnungszeiten:

Mo-Do 8-12 Uhr • Di 14-18 Uhr • Fr 8-12:30 Uhr

 

Eine Ausstellung des Römermuseums und der Stadt Güglingen

 

>> Ausstellungsflyer (PDF)

 

Aktuelle Information:

Ab Montag, 19.10.2020 ist das Rathaus vorübergehend aus Gründen der Pandemie-Eindämmung geschlossen.

Die Maßnahme wurde bis auf Weiteres verlängert; in diesem Zeitraum entfallen auch die vorgesehenen Veranstaltungen des Begleitprogramms.

Wir bitten um ihr Verständnis!

 

Sobald wieder geplant werden kann, werden die entfallenen Begleitveranstaltungen neu terminiert.

 


 

Zur Ausstellung:

 

Der Architekt Heinz Rall (1920-2006) war der produktivste Kirchenbauer nach dem Zweiten Weltkrieg im Bereich der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, wo er 20 Kirchenneubauten schuf.

 

Anlässlich seines 100sten Geburtstags würdigt ihn die Stadt Güglingen mit einer Ausstellung, die querschnitthaft einen Einblick in das Œvre anhand einer repräsentativen Auswahl von zehn seiner Kirchenbauten gibt:

 

  • Sindelfingen, Christuskirche (1959)
  • Stuttgart-Bad Cannstatt, Stephanuskirche (1960)
  • Stuttgart-West, Pauluskirche (1961)
  • Böblingen, Paul-Gerhardt-Kirche (1961)
  • Esslingen-Zollberg, Christuskirche (1963)
  • Ludwigsburg, Kreuzkirche (1964)
  • Leonberg-Ramtel, Versöhnungskirche (1965)
  • Calw-Heumaden, Versöhnungskirche (1965)
  • Sindelfingen-Goldberg, Versöhnungskirche (1967)
  • Güglingen, Mauritiuskirche (1977)

 

Die 107 großformatigen Fotografien der Stuttgarter Fotografin Rose Hajdu bieten einen intensiven Blick auf Architektur und Licht dieser Sakralbauten.

 

 

 

 

Begleitprogramm:

 

 

Sonntagsöffnungen der Ausstellung

mit Anwesenheit der Fotografin

 

Während der Sonntagsöffnungen ist die Fotografin anwesend und gibt den Besuchern im Gespräch Einblicke in ihre Arbeit und ihr Werk.

 

Termine:

So, 11.10.2020, 14-18 Uhr

So, 29.11.2020, 14-18 Uhr

So, 12.9.2021, 14-18 Uhr (zugleich Finissage)

– keine Anmeldung notwendig –

 

 

Heinz Rall und die Kunst

Stadtführung mit Ursula Stock

 

Dass Güglingen über die Region hinaus als „Kunststadt“ bekannt ist, ist das Verdienst von Heinz Rall, seinem sicheren Geschmack für moderne Kunst und ihre optimalen Standorte sowie seiner immerwährenden Absicht, „dem Alltagsleben Glanz zu verleihen“ – so geht die „Kunst im Stadtraum“ auf seine Initiative zurück.

Auch die „Kunst am Bau“, das intensive Zusammenspiel von Architektur und Kunst, war Rall durchweg ein wichtiges Augenmerk seines Schaffens: Geradezu im Selbstverständnis eines Renaissance-Baumeisters hatte er stets das Ganze im Blick, und so entwarf er nicht nur die Gebäude, sondern alles bis ins kleinste Detail hinein und durchwirkte es auf stimmige Weise bis in unterste Ebenen miteinander – über die Bushaltestelle bis hin zur Straßenlampe, der Türklinke oder dem Mobiliar.

Prägnant äußerte er dazu: „Stadtgestaltung ist…eine zentrale Aufgabe für die Entwicklung der Sinne, die Formung der Seele und die Freiheit des Geistes. … Eine Stadt, in der das Notwendige durch das ‚Überflüssige‘ überhöht wird und so erst seinen Wert bekommt. Eine menschengemachte Welt, der die Kunst erst ihre Würde verleiht.“

 

Termin: So, 11.10.2020, 15 Uhr

Treffpunkt: Marktplatz, Güglingen

– Teilnahme kostenlos –

 

 

Mein Heinz Rall –

ein subjektiver Blick auf den Architekten

Anekdotischer Stadtspaziergang mit Horst Seizinger

 

Bevor begeisterte Besuchergruppen bis aus Japan nach Güglingen kamen, um sich die beispielgebende Stadtkernsanierung anzusehen, lag ein steiniger Weg vor Heinz Rall und allen Beteiligten:

Erst langsam musste im zuvor doch recht dörflich geprägten Städtchen das Verständnis für die Visionen und Ansätze des Architekten und Gestalters wachsen, wenngleich auch nicht all seine Planungen Früchte trugen.

Horst Seizinger war als Mitglied des Gemeinderats zur damaligen Zeit nah dran an sämtlichen umwälzenden Entwicklungen und all ihren Diskussionen. Er gibt einen hintergründigen, ganz persönlichen Einblick in all das, was sein sollte und wie und warum es letztlich geworden ist, wie es sich heute zeigt.

 

Termin: So, 24.1.2021, 15 Uhr

Treffpunkt: Weinbrunnen im Deutschen Hof, Güglingen

– Teilnahme kostenlos –

 

 

Der Schlusspunkt Heinz Ralls als Kirchenbauer: 

Die Mauritiuskirche in Güglingen

Kirchenführung mit Friedrich Sigmund

 

Mit der Mauritiuskirche in Güglingen fand Heinz Ralls Schaffen als Kirchenbauer seinen Abschluss. Ganz im Gegensatz zu seinen Neubauten wurde hier allerdings der Umbau einer bestehenden Kirche ausgeführt: Im Ursprungsbestand eine eher düster wirkende Kirche mit zwei Emporen, wurde hier nicht nur eine moderne und sehr variable Lösung im Gottesdienstraum umgesetzt, sondern auch umfassende Funktionsräume im oberen Teil des Kirchenschiffs verwirklicht.

Als fulminant lässt sich die moderne künstlerische Ausgestaltung der Kirche bezeichnen und schließlich gelang Heinz Rall 1987/88 mit dem „Güglinger Palmtuch“ noch ein besonderer Clou: Bezugnehmend auf den einst verbrannten Vorgänger, gewann er 40 Künstler aus der gesamten Bundesrepublik, um die vormals dargestellten biblischen Szenen neu künstlerisch zu interpretieren. Die Einzelwerke wurden schließlich in einer monumentalen Gesamtkomposition zusammengefügt.

Friedrich Sigmund war langjährig Mesner in der Mauritiuskirche und kann somit die hautnah erlebte „Erneuerung“ des bestehenden Sakralbaus kenntnisreich aus erster Hand schildern.

 

Termin: So, 7.2.2021, 15 Uhr

Treffpunkt: Eingang Mauritiuskirche, Güglingen

– Teilnahme kostenlos –

 

 

Vortrag „Heinz Rall – Kirchenbau“

Vortrag zur Ausstellung von Reinhard Lambert Auer, ehem. Kunstbeauftragter der Evangelischen Landeskirche in Württemberg

 

Termin: Sa, 27.02.2021, 19 Uhr

Ort: Rathaus Güglingen, „Ratshöfle“ unter der Glaspyramide

– Teilnahme kostenlos –

 

 

Busexkursion 1:

Ludwigsburg, Stuttgart und Esslingen

 

Im Rahmen der ersten geführten Busexkursion unter der fachkundigen Leitung von Kirchenrat Reinhard Lambert Auer (ehemaliger Kunstbeauftragter der Evang. Landeskirche in Württemberg) werden folgende Rall-Kirchen besucht:

 

• Ludwigsburg, Kreuzkirche

• Stuttgart-Bad Cannstatt, Stephanuskirche

• Stuttgart-West, Pauluskirche

• Esslingen-Zollberg, Christuskirche

 

Termin: Sa, 6.3.2021

Abfahrt: 8:00 Uhr an der Bushaltestelle „Kirche“ am Marktplatz, Güglingen (Rückkunft abends)

Preis: 29,- € pro Person; Anmeldeschluss: 26.2.2021

In der Mittagspause wird die Gelegenheit zur Einkehr eingeplant.

 

 

Busexkursion 2:

Calw, Sindelfingen/Böblingen und Leonberg

 

Im Mittelpunkt der zweiten geführten Busexkursion unter der Leitung von Reinhard Lambert Auer stehen folgende Rall-Kirchen:

 

• Leonberg-Ramtel, Versöhnungskirche

• Calw-Heumaden, Versöhnungskirche

• Sindelfingen, Christuskirche

• Böblingen, Paul-Gerhardt-Kirche

• Sindelfingen-Goldberg, Versöhnungskirche

• Sindelfingen, Johanneskirche

 

Termin: Sa, 20.3.2021

Abfahrt: 8:00 Uhr an der Bushaltestelle „Kirche“ am Marktplatz, Güglingen (Rückkunft abends)

Preis: 34,- € pro Person; Anmeldeschluss: 12.3.2021

In der Mittagspause wird die Gelegenheit zur Einkehr eingeplant.

 


 

Mit Ausnahme der Sonntagsöffnungen ist die Buchung über die „Güglingen App“ erforderlich (Download kostenlos in den gängigen App-Stores) oder über den entsprechenden Link auf www.gueglingen.de oder hier: >> Direktlink zur Buchung

 

Bei sämtlichen Veranstaltungen finden die jeweils geltenden Regelungen der Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg Anwendung; bitte denken Sie daher ggf. an Ihre geeignete Mund-/Nasen-Bedeckung.

 


 

Publikation:

 

Anlässlich der Ausstellung erscheint eine umfangreiche Publikation unter dem Titel „Heinz Rall – Kirchenbauten. Fotografien von Rose Hajdu“ als Band 9 der Schriftenreihe des Römermuseums Güglingen.

Der opulente Bildband mit Texten von Reinhard Lambert Auer sowie einem Beitrag von Ulrich Gräf behandelt alle zehn Kirchen und ist noch zusätzlich ergänzt um die Johanneskirche in Sindelfingen.

Er umfasst 272 Seiten, 273 Abbildungen und 11 Grundriss-Illustrationen (ISBN 978-3-9812803-9-5).

 

>> Zum Buch im Online-Shop

Führungsprogramm 2021

Führungsprogramm 2021

Neben unserem unseren regelmäßigen Öffentlichen Führungen (am 1. Sonntag des Monats) und Familienführungen (am 3. Sonntag des Monats) werden verschiedene Sonderführungen eine Reihe von Themen in der Dauerausstellung beleuchten.
 

 

Die Termine im Überblick:

 

Öffentliche Führungen:

(jeden 1. Sonntag im Monat um 15 Uhr)

3.1., 7.2., 7.3.,

4.4., 2.5., 6.6.,

4.7., 1.8., 5.9.,

3.10., 7.11., 5.12.2021

 

Familienführungen:

(jeden 3. Sonntag im Monat um 15 Uhr)

17.1., 21.2., 21.3.,

18.4., 16.5., 20.6.,

18.7., 15.8., 19.9.,

17.10., 21.11., 19.12.2021

 

 

Altar Proserpina Persephone„Terra – Erde“

In römischer Zeit gewann man aus der Erde vieles: Sei es der Lehm für den Bau von Fachwerkhäusern, Ton für die Herstellung von Ziegeln sowie für die Töpferei und Keramikherstellung, deren Massenproduktion teilweise beachtliche und regelrecht vorindustrielle Ausmaße erreichte.

Im religiösen Zusammenhang kreisen um den Bezug zur Erde nicht zuletzt auch zahlreiche Gottheiten, die beispielsweise mit der Fruchtbarkeit eng in Verbindung stehen.

Themenführung mit Museumsleiter Enrico De Gennaro M.A.

Termin: Sonntag, 25.4.2021 um 11:00 Uhr und 15:00 Uhr

Dauer: ca. 90 Minuten

Kosten: 4,- € p.P. zzgl. erm. Eintritt (Museums-PASS-Musées-Inhaber: gratis)

 

 

Römische SiedlungslandschaftRömische Vici im Neckarland und die Infrastruktur im Mittleren Neckarraum

Das römische Güglingen ist bis heute der größte ausgegrabene Ausschnitt eines zivilen ländlichen Vicus in Deutschland. Mittlerweile wurde dieser Siedlungstyp auch andernorts ausfindig gemacht, wie beispielsweise in Talheim und Besigheim-Ottmarsheim, wo ein weiteres Mithras-Heiligtum existiert. Der Vortrag behandelt diese Siedlungen im Mittleren Neckarraum, ihre infrastrukturelle Interaktion mit dem jeweiligen Umland und geht auch der Frage nach, ob wir in Bietigheim und Lauffen weitere Vici zu vermuten haben.

Daneben werden die herausragenden römischen Villen thematisiert – mit Frauenzimmern und Kirchheim die zwei ganz besonderen im Zabergäu, darüber hinaus auch jene vom Weißenhof, von Bietigheim, Großbottwar und Mundelsheim.

In diesem Rahmen wird der neu erschienene Band 36 der „Besigheimer Geschichtsblätter“ vorgestellt, der sich vollständig dem Thema „Das römische Ottmarsheim und seine Einbettung in die römische Infrastruktur zwischen Benningen, Böckingen, Güglingen und Großbottwar“ widmet.

Vortrag von Frank Merkle M.A. in Zusammenarbeit mit dem Geschichtsverein Besigheim

Termin: Freitag, 7.5.2021 um 19:00 Uhr

Ort: Römermuseum, Heinz-Rall-Saal

Kosten: 8,- € p.P. (Museums-PASS-Musées-Inhaber: gratis)

 

 

Vicus von GüglingenCXXI 1900 Jahre (römisches) Güglingen

Der Vicus von Güglingen wird in diesem Jahr 1900 Jahre alt. Seine Entstehung kann recht genau datiert werden – u.a. durch eine prägefrische Münze, die als Bauopfer in Mithräum II vermauert wurde. Sein Ende hingegen ist nicht so gut fassbar und liegt noch etwas im Nebel der Geschichte. Möglicherweise sorgten die Germanen-Einfälle unter Kaiser Severus Alexander bereits im Jahr 233 dafür, dass man die Siedlungstätigkeit hier sukzessive aufgab.

Die Führung wirft anlässlich des runden „Jubiläums“ einen Blick auf das Werden und Bestehen dieses kleinstädtisch geprägten Mittelpunktsortes im Zabergäu als auch auf sein Umfeld und die wichtige Rolle, die er für Handel und Verkehr zwischen Neckar und Rhein spielte.

Themenführung mit Frank Merkle M.A.

Termin: Sonntag, 13.6.2021 um 11:00 Uhr und 15:00 Uhr

Dauer: ca. 90 Minuten

Kosten: 4,- € p.P. zzgl. erm. Eintritt (Museums-PASS-Musées-Inhaber: gratis)

 

 

Alma-Tadema Roses of HeliogabalusAls Elagabal römischer Kaiser war – eine Zeitreise 1800 Jahre zurück ins Jahr 221 n. Chr.

Wie gestaltete sich das Leben im Imperium vor genau 1800 Jahren? Der Niedergang wird in Rom bereits deutlich spürbar, doch die Provinz hat er noch nicht erreicht und diese erfreut sich weiterhin einer Blütezeit.

Insbesondere unter Kaiser Elagabal (218-222 n. Chr.) erreichte die Dekadenz und Lasterhaftigkeit in Rom einen Höhepunkt. Migration war ein großes und heiß diskutiertes Thema, damals wie heute: Einen regelrechten „Culture Clash“ verursachten die tiefgreifenden orientalischen und syrischen Einflüsse, die Elagabal nach Rom brachte und welche auf massive Ablehnung beim konservativen Römertum stießen.

Darüber hinaus beschäftigten die Menschen damals auch genauso Themen wie die Umweltproblematik oder die ökonomische Krise und Inflation.

Themenführung mit Frank Merkle M.A.

Termin: Sonntag, 27.6.2021, 11 Uhr und 15 Uhr

Dauer: ca. 90 Minuten

Kosten: 4,- € p.P. zzgl. erm. Eintritt (Museums-PASS-Musées-Inhaber: gratis)

 

 

Holzpfosten Streifenhaus Fachwerk„Lignum – Holz“

Die Bedeutung und Nutzung von Holz war in römischer Zeit allgegenwärtig und es war einer der wichtigsten Rohstoffe vor 1800 Jahren. Seine Verwendung war äußerst vielfältig – ob als Werkstoff, Baustoff oder Brennstoff.

Die große Rolle, die das Holz in vielen Bereichen der Zivilisation und Kultur der Römerzeit abdeckte, wird dem Besucher an vielen verschiedenen Beispielen eindrucksvoll vor Augen geführt.

Themenführung mit Museumsleiter Enrico De Gennaro M.A.

Termin: Sonntag, 11.7.2021 um 11:00 Uhr und 15:00 Uhr

Dauer: ca. 90 Minuten

Kosten: 4,- € p.P. zzgl. erm. Eintritt (Museums-PASS-Musées-Inhaber: gratis)

 

 

Kellernische„Lapis – Stein“

Mit der römischen Besiedlung hielt der Steinbau bei uns Einzug, wenn auch nur für vergleichsweise kurze Zeit. Die fachgerechte Nutzung dieses Rohmaterials strahlte in verschiedenste Bereiche aus: So diente Stein nicht nur als Baustoff, sondern auch als Material für Gebrauchsgegenstände und Schmuck.

Nicht zuletzt war seine Bedeutung in der religiösen Plastik von immensem Stellenwert, der in Güglingen als der götterbildreichsten römischen Siedlung Baden-Württembergs besonders offenkundig wird.

Themenführung mit Museumsleiter Enrico De Gennaro M.A.

Termin: Sonntag, 12.9.2021 um 11:00 Uhr und 15:00 Uhr

Dauer: ca. 90 Minuten

Kosten: 4,- € p.P. zzgl. erm. Eintritt (Museums-PASS-Musées-Inhaber: gratis)

 

 

Hypatia Raffael

Hypatia – Antike Philosophin und Galionsfigur der modernen Frauenbewegung:

Kontroversen in der antiken Astronomie und Hintergründe ihrer Ermordung

Hypatia gilt als die letzte bedeutende Philosophin der heidnischen Antike. Da von ihrem Werk kaum etwas erhalten ist, ist sie vor allem durch die Umstände ihrer grausamen Ermordung durch einen christlichen Mob im ägyptischen Alexandria in Erinnerung geblieben.

Als das Christentum gegen Ende des 4. Jahrhunderts zur alleinigen Staatsreligion im römischen Reich erklärt wurde, setzte eine Welle von Heidenverfolgungen ein. Weil im Heidentum Philosophie und die alten Kulte untrennbar miteinander verbunden waren, gerieten in diesem Zusammenhang vor allem die Vertreter der Wissenschaft in Bedrängnis.

Als vielleicht prominentestes Opfer der wissenschaftsfeindlichen intoleranten Welle von Gewalt unter dem Deckmantel des Christentums kann Hypatia betrachtet werden. Von Zeitgenossen als bedeutendste Mathematikerin um 400 n. Chr. anerkannt, war ihr Verhängnis nicht nur ihr Festhalten am Heidentum, sondern auch, dass sie sich in einem patriarchalisch ausgerichteten christlichen Umfeld traute, als Frau in Alexandria Philosophie zu unterrichten, weshalb sie oft auch als eine der Galionsfiguren der Frauenbewegung betrachtet wird.

Neben den Umständen, die zum Mord an Hypatia führten, sollen auch die Erkenntnisse und Kontroversen in der antiken Astronomie, einem Forschungsgebiet dieser bedeutendsten Frau im Wissenschaftsbetrieb der Antike, beleuchtet werden.

Vortrag von Frank Merkle M.A., Althistoriker und Germanist

Termin: Freitag, 22.10.2021, 19 Uhr

Ort: Römermuseum, Caféteria

Kosten: 8,- € p.P. (Museums-PASS-Musées-Inhaber gratis)

 

 

Modell Töpferofen„Ignis – Feuer“

Das Feuer war ein essentielles Element, das in den verschiedensten Lebensbereichen einen tragenden Stellenwert einnahm – sei es das Herdfeuer im privaten Heim, das Feuer im Gebrauch bei verschiedensten Handwerkszweigen, bei der Begräbnissitte oder die große Bedeutung des Feuers im religiösen Kontext.

Nicht zuletzt wird auch seine zerstörerische Kraft eine Rolle spielen bei dieser Führung, die sich in vielfältiger Weise auf die Spur des Feuers begibt.

Themenführung mit Museumsleiter Enrico De Gennaro M.A.

Termin: Sonntag, 28.11.2021 um 11:00 Uhr und 15:00 Uhr

Dauer: ca. 90 Minuten

Kosten: 4,- € p.P. zzgl. erm. Eintritt (Museums-PASS-Musées-Inhaber: gratis)

 


 

Infos zu den einzelnen Veranstaltungen finden Sie auch >> Hier  in unserem Führungsfaltblatt.

Ein massiv goldener Gemmenring mit Mars-Ultor-Darstellung

Ein massiv goldener Gemmenring mit Mars-Ultor-Darstellung

 

Ein Kindheitstraum geht in Erfüllung

 

War es nur ein ausgebuffter Pädagogentrick, zwei kleine Güglinger Buben zu Aufenthalt und Aktivität in der Natur anzuregen, indem man bei ihnen das Interesse für Geschichte und die Römer weckte und in ihnen die Hoffnung schürte, einmal draußen auf dem Acker einen richtigen Schatz zu finden?

Wahrscheinlich eher nicht, denn vor fünfzig Jahren waren alle elektronischen Ablenkungen noch fern, die junge Heranwachsende in ihrer Freizeit kein Sonnenlicht mehr sehen ließen. Während es für andere Jungen das Größte war, im Wald ein Lägerle zu bauen, stöberten Andreas Reegen und Ulrich Peter also entsprechend motiviert über die Feldflur und insbesondere über die Güglinger „Steinäcker“.

 

Bei den gemeinsamen Begehungen wurde von den zwei Munteren regelmäßig viel Terra Sigillata und sonstige Keramik angetroffen.

Im Jahr 1970 stieß Andreas Reegen dann allerdings auf einen goldenen Fingerring, in dessen Fassung sich noch eine rote Gemme befand. Er zog den Ring einem Fingerknöchel ab, den er jedoch liegenließ. Der Traum eines jeden Kindes, einmal im Leben einen Schatz zu finden, ging so für den kleinen Andy in Erfüllung.  

 

Im August 2020 stellte Andreas Reegen nun den Gemmenring dem Römermuseum als Dauerleihgabe zur Verfügung, wo er fortan im Ausstellungsbereich zum Bestattungswesen gezeigt wird.

 

Gemme römisch Fingerring Gold Schmuck Mars

 

Im Nachfolgenden die Bestimmung des Stückes von Museumsleiter Enrico De Gennaro:

 

Ein Goldfingerring mit Mars-Ultor-Gemme

 

Der Ring besteht aus massivem Gold, seine Gesamthöhe einschließlich der Gemme beträgt 16 mm. Der Innendurchmesser des Ringes variiert zwischen 18 und 19 mm und die Ringschenkel besitzen kleinere Einschnürungen mit einer leicht ovalen Verdickung unterhalb der gestalteten Ringschultern. Auffallend am Stück ist, dass die Ringschenkel nicht mehr vollständig rund sind, sondern durch mehrere Kniffe eine Verengung des ursprünglichen Innendurchmessers herbeigeführt wurde. Somit kann es als wahrscheinlich gelten, dass ein Zweitträger, dem der Ring etwas zu groß war, ihn für sich auf diese Weise enger gemacht hat.

Die abgesenkten Ringschultern dehnen sich zum Ansatz des Ringkopfes bzw. der Lünette hin aus und sind mit dreigliedrigen, durch Rinnen getrennten und seitlich mit einer Einschnürung geschwungen auslaufenden Blattranken gestaltet.

Der Ring zeigt nur leichte Gebrauchsspuren, die sich vornehmlich auf den breitflächigen Partien der Ringschultern konzentrieren.

 

Gemme römisch Fingerring Gold Schmuck Mars

 

Die ovale Gemme mit breitem Schrägrand ist ein orangeroter, transparenter Karneol. Sie sitzt in einer niedrigen bis mittelhohen Kastenfassung auf dem Kopf des Goldringes, die um den Stein herum mehrfach leicht polygonal facettiert ist.

Auf der Gemme ist Mars stehend nach rechts dargestellt. Sein linkes Bein ist vorgelagert, während das rechte als Spielbein dient. Mitsamt der ebenfalls vorgerückten linken Hüfte und dem insgesamt mit den Schultern zurückgezogenen Oberkörper wirkt seine Körperhaltung außerordentlich geschwungen.

Auf dem Haupt trägt Mars einen Helm mit Helmzier, die aus in fünf zackenförmigen Strahlen auslaufenden Rippen besteht. In der erhobenen Linken, die bis zum Gemmenrand reicht, ist noch der Ansatz eines stabförmigen Gegenstandes erkennbar, den Mars hält. Sein gesenkter rechter Arm lagert auf dem Rand seines auf dem Boden stehenden Schildes, wobei sein um den rechten Unterarm gewundener Mantel bis auf den Schild herabfällt.

In der Vergrößerung ist erkennbar, dass Mars zwar bekleidet dargestellt ist, doch wurden aufgrund der Begrenztheit der Fläche als auch der gestalterischen Mittel hier keine näheren Details erkennbar realisiert.  

Insgesamt handelt es sich um eine feine, detailreiche Arbeit; das Motiv weist keine bis nur eine mäßig matte Innenpolitur auf.

 

Gemme römisch Fingerring Gold Schmuck Mars

 

Die Darstellung folgt einem Darstellungstypus, der auf das Kultbild des Mars-Ultor-Tempels in Rom zurückgeht, welcher von Augustus errichtet wurde. Hierbei ist Mars in einem Panzer mit Pteryges gekleidet dargestellt, auf dem Haupt trägt er einen korinthischen Helm. In der erhobenen Rechten hält er seine Lanze, während seine Linke auf dem oberen Rand des neben dem linken Fuß abgestellten Schildes ruht, über den sein Mantel, von der rechten Schulter ausgehend und über den Rücken verlaufend, gewunden herabfällt.

 

Mars Ultor Getty Bronzestatuette

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bronzestatuette von Mars Ultor.

The J. Paul Getty Museum, Villa Collection, Malibu, Kalifornien, Schenkung von Barbara und Lawrence Fleischman, Inv.-Nr. 96.AB.194.

Foto: J. Paul Getty Museum (Open Content Program).

 

Mögliche Einordnung in einen Befundkontext

 

Ob der überlieferte Fundhergang auf eine Bestattung hindeutet, lässt sich heute nicht mehr eindeutig beurteilen. So muss den Schilderungen nach eine Körperbestattung vorgelegen haben. Ob sie tatsächlich in römische Zeit datieren könnte, ist ebenfalls nicht abschließend zu klären, zumal sich die Fundstelle mitten in der römischen Siedlung befindet. Doch nicht allzu selten treten beispielsweise auch in frühmittelalterlichen Gräbern einzelne Antiquitäten in Form von Grabbeigaben und Trachtbestandteilen auf, die als Pretiosen oder Mirabilien selbst aufgefunden und für aufbewahrenswert erachtet wurden.

 

Gemme römisch Fingerring Gold Schmuck Mars

 

Vermutungen zum ursprünglichen Träger

 

Der einstige römische Träger des Rings hat das Motiv der Gemme sicherlich nicht zufällig gewählt, zumal in römischer Zeit der Männerschmuck häufig nur auf wenige Stücke, oftmals nur auf einen einzigen Ring, beschränkt war.

Die Verehrung von Mars, der vordergründig in altrömischer Zeit zwar als Ackergott fungierte, aber alsbald fast ausschließliche Bedeutung als Kriegsgott gewann, ist bislang nicht im Güglinger Vicus nachgewiesen. So konzentriert sich die Mars-Verehrung natürlicherweise besonders stark auf die Militärstandorte, was insbesondere an den überlieferten Steindenkmälern und Weihungen deutlich wird. Wie nun der Ring mit der Mars-Darstellung seinen Träger in einer zivilen ländlichen Siedlung fand, lässt sich somit am Naheliegendsten über einen persönlichen Bezug zum Militär vermuten: So könnte er möglicherweise ein Veteran gewesen sein, denn ganz unvermögend war er mit Sicherheit nicht, wenn er sich solch ein exzeptionelles Einzelstück, das eine Einzelanfertigung oder gar eine Auftragsarbeit gewesen sein muss, leisten konnte. Gegebenenfalls ließe sich auch ein anderweitiger Bezug zum Militär vermuten, wie beispielsweise im Hinblick auf eine intensive Handelstätigkeit.

Nicht auszuschließen ist jedoch generell auch, dass der Ring verschiedene bzw. mindestens zwei Träger während seiner Zeit als Fingerschmuck durchlaufen hat: Das wird am Offenkundigsten daran, dass der Ring einem der nachfolgenden Träger zu groß war und er diesen mittels mehrerer Kniffe bzw. Stauchungen für seine Bedürfnisse enger gemacht hat. 

Totenmahlrelief mit vornehmer Güglingerin nun ausgestellt

Totenmahlrelief mit vornehmer Güglingerin nun ausgestellt

Ein spannender Fund aus dem römischen Güglingen ist als einer der wenigen überhaupt eindeutig der Bestattungskultur zuzuordnen, denn das Gräberfeld zur Siedlung fand man bis heute nicht.

Da selbst die Corona-Zeit im Römermuseum in keinster Weise ungenutzt blieb, wurde dieses Stück zwischenzeitlich für die dauerhafte Präsentation aufbereitet und kann seit Ende Juni 2020 der Öffentlichkeit gezeigt werden.

Es handelt sich dabei um ein Reliefbruchstück aus Schilfsandstein, das Uli Peter im August 1999 im mittlerweile überbauten Bereich von Feuerwehr/Bauhof auf der Ackeroberfläche fand und welches er nun dem Museum als dauerhafte Leihgabe zur Verfügung gestellt hat.

 

Totenmahlrelief Frisur

 

Darauf zu sehen ist der fein frisierte Kopf einer Frau. Das nach oben halbrunde Bildfeld ist als muschelartiger Baldachin gestaltet und auf dem oberen Reliefrand ist noch links der ursprünglichen Mitte ein "D" als Inschriftrest erkennbar. Somit ist das Relief eindeutig dem Bestattungswesen zuzuordnen, denn die Inschrift lässt sich mit dem fehlenden zweiten Buchstaben ergänzen zu "Dis Manibus", "den Göttern/Geistern der Verstorbenen geweiht". Mit diesen auf Grabsteinen wiederkehrenden Weihungen sollten vor allem die fremden Geister besänftigt werden, denen man nach dem Tod schutzlos ausgeliefert war.

 

Totenmahlrelief Frisur

Schöner Vergleich für das Güglinger Stück: Grabstein für Aelia Aeliana mit Totenmahldarstellung, gefunden an der Scarborough Bridge in York. Das Ehepaar nimmt am eigenen Leichenschmaus teil; bedient werden sie von einer Sklavin, die entsprechend ihrer Bedeutungsgröße deutlich kleiner dargestellt ist.

Quelle: Foto: Mike Peel (CC-BY-SA-4.0).

 

 

Teilnehmerin beim eigenen Totenmahl

 

Merkwürdig ist am Relief nun aber, dass der erhaltene Frauenkopf so weit entfernt von den Rändern angebracht ist. Vergleiche haben nun gezeigt, dass es sich dabei um eine Totenmahldarstellung handelt: Darauf sind die Verstorbenen, auf einem Speisesofa liegend, beim eigenen Leichenschmaus abgebildet. Vermutlich war die Frau nicht alleine, sondern rechts von ihr war ihr Gatte dargestellt.

Für den typischen Römer war es das Schlimmste, für die Nachwelt in Vergessenheit zu geraten. So schuf man, je nach Geldbeutel, aufwendige Grabdenkmäler, die auch den eigenen Status dokumentieren sollten.

Die hier dargestellte Frau trägt eine seinerzeit topmodische Nestfrisur und ein Diadem auf dem Haupt: Bei dieser Frisur wurden mehrere Zöpfe aus Eigenhaar relativ dicht am Kopf frisiert; eine beidseits des Kopfes entlanggeführte Nackentolle ließ bei manchen Varianten die Ohren mal bedeckt und mal unbedeckt.

 

Totenmahlrelief Frisur

 

 

Ungewöhnlich späte Datierung

 

Das ist nun überaus spannend für die Datierung des Reliefs: Diese Frisurenmode kam erst in severischer Zeit auf und durch sie lässt sich das Steindenkmal mit einiger Sicherheit in das 2. Viertel des 3. Jahrhunderts datieren – überraschend spät, denn die letzte Münze, die aus den Grabungen vorliegt, stammt aus dem Jahr 228 n. Chr.

 

Nordafrikaner auf dem Kaiserthron

 

Die Kaiserdynastie der Severer hatte es schwer, in Rom Anklang zu finden, da ihre Mitglieder aus Nordafrika stammten und somit allein schon nicht gut gelitten waren. Auffallend ist in jener Zeit, dass sie vermehrt ihre weiblichen Angehörigen auf Münzbilder prägen ließen, um damit ihre dynastischen Bestrebungen zu festigen.

 

Hochzeitsdenar Orbiana

Sallustia Barbia Orbiana war die Frau des Kaisers Severus Alexander (222-235 n. Chr.) – allerdings nur von 225-227 n. Chr.: Auf Betreiben ihrer Schwiegermutter wurde die Ehe aufgelöst und Orbiana zurück nach Afrika geschickt, wo sie in Verbannung weiterleben musste. Sie trägt die Nestfrisur mit Diadem, wobei ihre Ohren hier unbedeckt sind. „Hochzeitsdenar“, um 225 n. Chr.; AO: Römermuseum Güglingen, Dauerausstellung (Leihgabe Uli Peter).

 

 

Von der Modemetropole Rom in die Provinz

 

Dies hatte auch eine bedeutende Auswirkung auf die Frauenmode: So war das Bild, das von den Kaiserinnen über die Münzen ins Volk transportiert wurde, prägend für die Frisurenmode. Wer etwas auf sich hielt, wollte ihnen so gut wie möglich nacheifern – insbesondere jene Frauen, die sich der Oberschicht zurechneten.

Während heute also die Mode kurzlebigsten Trends folgt und unzählige Selbstdarsteller ihre gefeierten Ikonen sind, so galten in römischer Zeit die Kaiserinnen als die alleinigen Trendsetterinnen. Bedingt durch das Vermitteln ihrer Bilder ins Volk und deren langer Laufzeit (wenn man z.B. an Münzen im Umlauf denkt) ergab sich freilich, dass die Modeströmungen weitaus länger währten als heutzutage.

Bis in die Provinz kamen somit diese Trends und dienten unserer vornehmen Güglingerin als Inspirationsquelle für ihre Frisur, mit welcher sie der Nachwelt bis heute erhalten bleiben sollte.

 

Münze Otacilia Severa

Bei Marcia Otacilia Severa, der Frau des späteren Kaisers Philippus Arabs (244-249 n. Chr.), tritt schon ein Übergang von der Nest- zur Scheitelzopffrisur ein: Hier wird ein Haarstrang an der Mitte des Hinterkopfes nach oben geführt. Bei der Güglinger Reliefdarstellung ist dieser Bereich allerdings bereits mit der Platte verbunden und die schlussendliche Beurteilung daher schwierig. Antoninian, 234 n. Chr.; AO: Römermuseum Güglingen, Sammlung (Schenkung Sammlung Zapf).

 

Als fruchtbarer Nebenaspekt zu Autopsie und wissenschaftlicher Einordnung des Fundes durch Museumsleiter Enrico De Gennaro ist ein Aufsatz entstanden, der nicht nur dieses Relief, sondern sämtliche Steindenkmäler behandeln wird, die sich einem Bezug zu Bestattungswesen und Grabkult auf der Güglinger Teilgemarkung zuordnen lassen. Erscheinen wird er im Herbst 2020 im Rahmen der Zeitschrift des Zabergäuvereins.

Die römische Palastvilla von Frauenzimmern im Modell

Die römische Palastvilla von Frauenzimmern im Modell

 

Die römische Palastvilla von Frauenzimmern:

Eine herausragende Anlage jetzt auch im Modell

 

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Dass die in den Jahren 1991/92 in den Frauenzimmerner „Steinäckern“ ausgegrabene römische Villa ganz und gar nicht dem entsprach, was sich sonst in Baden-Württemberg finden lässt, stand schon frühzeitig fest: Ihr Besitzer, der mit Sicherheit wohlhabendste Mann im weiten Umland, stellte mit ihr das Ideal der „Romanitas“, des Römischseins, zur Schau. Dazu gehörte nicht nur der reine wirtschaftliche Erfolg, sondern vor allem auch das Streben nach Kultur und Bildung. Dies dokumentierte er eindrücklich mit Reliefs, die an einem 90 qm großen Wasserbecken angebracht waren – sie zeigten Szenen aus der „Odyssee“ des Epen-Dichters Homer  und waren nördlich der Alpen einzigartig. 

 

 

Und auch für die rein architektonische Gestaltung seiner Villenanlage folgte der Gutsherr einem Vorbild, für das es rechts des Rheins so gut wie keine Beispiele gibt: Es war eine Villa urbana, eine palastartige Anlage. Deren Areal war zweigeteilt in einen reinen Wirtschaftsteil und einen Wohnteil mit enormen Baukörpern, die sich um einen zentralen Innenhof gruppierten. Der größte Teil der Fläche war hier jedoch unbebaut und mit ausgedehnten Garten- und Parkanlagen gestaltet, die der reinen Erbauung dienten.

 

 

Rechtzeitig zum Ortsjubiläum „1225 Jahre Frauenzimmern“, das in diesem Jahr stattfindet, konnte nun vom Römermuseum nach jahrelanger Arbeit ein eindrückliches Modell der herrschaftlichen Anlage fertiggestellt werden.

Aufgrund der schieren Größe des darzustellenden (bislang ausgegrabenen) Teils der Anlage, der im Original 2,5 Hektar Fläche hat, wählte man den Modellbahnmaßstab Z (1:220), um es überhaupt noch in der räumlich kompakten Dauerausstellung des Römermuseums präsentieren zu können.

 

 

Am Anfang des Modells stand ein langer Prozess, in dem durch Museumsleiter Enrico De Gennaro ein hochgradig detailliertes 3-D-Modell der Baukörper am Computer erstellt wurde. In diesem Zuge erfolgte nicht nur eine akribische Analyse der Grundrisse, sondern auch eine fundierte Rekonstruktion von Aspekten wie der Geschossigkeit, Firstausrichtung, Zugangssituationen und vielem mehr.

Im Anschluss wurde das Modell von einer Spezialfirma direkt farbig 3-D-gedruckt mit einer Genauigkeit von 0,014 mm – am Limit des überhaupt technisch Machbaren.

 

 

Nachfolgend widmete man sich der Rekonstruktion der Garten- und Parkanlagen: Obwohl die Rekonstruktion der Parkanlagen natürlich hypothetisch ist, fußt sie auf zahlreichen Vergleichen und Beschreibungen. Allein aus der Konstruktion der Anlage ergeben sich Blick- und Begehungsachsen, die sich natürlich auch in der Gestaltung des Gartenkonzepts widerspiegelten.

 

 

Dass man Ziergärten nicht als etwas eigentlich Nutzloses ansah, in was nur viel Arbeit und Geld investiert werden muss, ist der römischen Landschaftsauffassung und -ästhetik zuzuschreiben. Die Entwicklung hin zu den Park- und Gartenanlagen des Barock wäre ohne diese römischen Wurzeln genauso undenkbar wie der Garten- und Landschaftsbau an sich.

 

 

Eine große Rolle in der römischen Ästhetik spielten Achsialität, Symmetrie, Fluchtpunkte und immer wieder bewegtes Wasser. Beim Blick aus den Fenstern und aus den Häusern begriff man die gestaltete Natur als gerahmtes Gemälde. Selbst was man als Wildnis darstellte, war eine gestaltete Wildnis, die einem Ideal folgte. Zahlreiche Elemente finden sich auch in schriftlichen Quellen wieder, etwa, dass in Eingangsbereichen und Innenhöfen rote und weiße Rosen in hohem Ansehen standen, in weitläufigen Bereichen erfreute man sich beispielsweise an ausgedehnten Irisrabatten. Weite Teile der römischen Parkanlagen waren von Zierrasen und niederen Buchsbaumhecken geprägt; Bäume und Büsche dienten nicht nur als alleenartige Wegbegleiter, sondern sie sorgten auch im Inneren der Wegezonierung für eine ästhetische Dramaturgie – je nachdem, wie sich der Betrachter durch den Park bewegte.

Daneben gab es in der Konzeption der Anlage sicherlich auch kleinere Nutzbereiche, wie Obst-, Gemüse- und Kräutergärten, die sich näher am Versorgungstrakt der Villa befanden. Diese könnten etwa mit höheren Hecken voneinander und vom Rest der reinen Zierbereiche optisch ausgeblendet worden sein.