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Mithras-Ausstellung in Belgien eröffnet

Mithras-Ausstellung in Belgien eröffnet

Am 19.11.2021 wurde im Musée Royal de Mariemont im belgischen Morlanwelz (unweit von Charleroi) die Ausstellung "Le Mystère Mithra. Plongée au cœur d’un culte romain" eröffnet.

 

Die Ausstellungsstücke setzen sich aus Leihgaben von 50 Museen, öffentlichen wie privaten Sammlungen, aus mehr als 15 europäischen Ländern zusammen – darunter auch etliche Leihgaben, die ansonsten in der Dauerausstellung des Güglinger Römermuseums beheimatet sind.

 

Plakat "Le Mystère Mithra. Plongée au cœur d’un culte romain"

 

Im Folgenden ein Auszug aus der Presseinformation zur Ausstellung:

 

Das Musée Royal de Mariemont nimmt uns mit auf eine Initiationsreise in den Kult des Gottes Mithras, einen der geheimnisvollsten Kulte der römischen Antike.

 

Mithras, ein Gott persischen Ursprungs, der von den Römern neu erfunden wurde, erfuhr zwischen dem 1. und 4. Jahrhundert im gesamten Römischen Reich eine äußerst beliebte Verehrung.

Seine Persönlichkeit zog Tausende von Anhängern an, die bestimmte Rituale in geheimen Gemeinschaften und an unterirdischen Orten praktizierten, wie durch mehr als 150 Heiligtümer belegt werden kann, die in ganz Europa entdeckt wurden, von Schottland bis Nordafrika und von Syrien bis Spanien.

 

Diese Ausstellung lädt Sie ein, diesen rätselhaften Kult zu entdecken und das Mysterium des Mithras zu lüften… Warum wurde dieser Kult im Geheimen organisiert? Warum erlebte Mithras einen solchen Erfolg, bis er als Rivale Christi auftrat? Um solche Fragen zu beantworten, zeigt die Ausstellung spektakuläre archäologische Artefakte und neuere Funde, die erstmals präsentiert werden.

 

Die Ausstellung wird in Zusammenarbeit mit dem Musée Saint-Raymond in Toulouse und dem Archäologischen Museum Frankfurt präsentiert und bietet ein umfangreiches kulturelles Begleitprogramm. Es schafft wunderbare Synergien mit den Sammlungen des Musée Mariemont, die unter der Leitung von Franz Cumont, einem bedeutenden altorientalischen Gelehrten und engen Freund des Museumsgründers, Raoul Warocqué, entwickelt wurden.

 

Mithräum Mariemont

 

Dank neuer Technologien führt eine immersive Szenografie die Besucher in den Mithraskult ein und leitet sie weiter zu einem eigens für die Ausstellung gebauten, lebensgroßen Tempel. Präsentiert als Zeitreise von den Tiefen der mithraischen Höhlen bis zur Renaissance, dem Zeitalter der Aufklärung und unserer Zeit, spiegelt die bemerkenswerte Geschichte von Mithras zeitgenössische gesellschaftliche Themen wie den Verkehr von Gütern, Ideen und Menschen, die Geschlechterverhältnisse oder das Zusammenleben von Kulten wider.

 

"Le Mystère Mithra" bietet Besuchern ein einzigartiges, umfassendes und partizipatives Erlebnis, um diesen eigentümlichen Kult zu verstehen, der zweifellos einer der originellsten ist, den die Antike je gekannt hat.

 


 

Die dreisprachig aufgebaute Ausstellung wird nacheinander an folgenden drei Stationen zu sehen sein:

 

  • Musée Royal de Mariemont, Morlanwelz (Belgien): 20.11.2021–17.4.2022
  • Musée Saint-Raymond de Toulouse (Frankreich): 14.5.2022–30.10.2022
  • Archäologisches Museum der Stadt Frankfurt (Deutschland): 19.11.2022–15.4.2023
Neuerscheinung „Museum ohne Grenzen“ von François Loeb

Neuerscheinung „Museum ohne Grenzen“ von François Loeb

Langjähriger Freund von Friedrich Dürrenmatt schreibt über Römermuseum

 

345 Museen in drei Ländern – von Bern bis Mainz, von Stuttgart bis Metz und Nancy – können mit dem Oberrheinischen Museumspass besucht werden. Darunter sind viele Häuser von internationalem Rang, aber auch zahlreiche kleine, feine Museen, die es wert sind, entdeckt zu werden – zusammen bilden sie vermutlich das größte Museum der Welt.

 

Im Jahr 2018 initiierte der Verband Museums-PASS-Musées ein trinationales Buchprojekt, in dessen Rahmen die teilnehmenden Mitgliedsmuseen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz vorgestellt und mit Kurzgeschichten porträtiert werden sollten.

 

Mit dieser Aufgabe betraut wurde der Schweizer Schriftsteller François Loeb, der von sich selbst sagt: „Ich schreibe nicht, es schreibt mir!“: Oftmals beginnt er mit einer Assoziation und daraus entstehenden Wortgeburten, indem er die Bilder, die er einfängt, schließlich in Sätze zu gießen und textlich zu materialisieren versucht. Bei seinen Museumsbesuchen brachte er den besonderen Zauber des jeweiligen Ortes literarisch zur Sprache.

 

Am 22. September 2019 stattete François Loeb dem Güglinger Römermuseum seinen Besuch ab. Intuitiv besonders angesprochen und inspiriert hat ihn hier das Thema „Spiel“, und so entstand für das Buch die Kurzgeschichte „Der Spieler“. Das Museumsporträt und die Kurzgeschichte finden sich nun im Band 1 (Deutschland) von "Museum ohne Grenzen – Schätze der Region entdecken" wieder.

 

Ausstellungskomplex Spiel Freizeit Enrico De Gennaro

Museumsleiter Enrico De Gennaro zeigt die ungewöhnlich zahlreichen Objekte aus dem Vicus von Güglingen, die in den Bereich Spiel und Freizeitgestaltung gehören: Dazu zählen neben Massen von unterschiedlichsten Spielsteinen auch Würfel, Murmeln und Spielknöchelchen. Selbst international gesehen ganz besonders selten ist ein Vorläufer des späteren Schlittschuhs.

 

Alle drei Bücher sind kürzlich im Herder-Verlag (Freiburg-Basel-Wien) erschienen. Jeder der drei Bände widmet sich den Museen jeweils eines Landes.

Der Band 1 (Deutschland, ISBN 978-3-451-38853-8, 20,- €) umfasst 272 Seiten, Band 2 (Frankreich, ISBN 978-3-451-38854-5, 15,- €) 192 Seiten und Band 3 (Schweiz, ISBN 978-3-451-38855-2, 15,- €) 150 Seiten. Alle drei Bände sind auch zusammen im Buchhandel zu erstehen (ISBN 978-3-451-39189-7) zum Paketpreis von 40,- €.

 

Zur Person des Autors:

Bereits seit seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften war das Schreiben die Passion von François Loeb. Regelmäßig veröffentlichte er Romanwerke in der NZZ. Nach seinem Rückzug aus dem Berufsleben als Unternehmer im Jahr 2002 wurde ihm das Schreiben schließlich zur zweiten Berufung.

Eine langjährige Freundschaft verband ihn mit Friedrich Dürrenmatt, und so setzte er sich während seiner Zeit als Schweizer Nationalrat (1987-1999) maßgeblich für die Gründung des Centre Dürrenmatt in Neuchâtel ein, das der Schweizer Nationalbibliothek angegliedert ist. Im Jahr 2019 veröffentlichte er seine „Erinnerungen an Friedrich Dürrenmatt“ in Buchform.

>> www.francois-loeb.com

Vortrag und Buchvorstellung zu römischen Vici und Infrastruktur des Mittleren Neckarraums

Vortrag und Buchvorstellung zu römischen Vici und Infrastruktur des Mittleren Neckarraums

Nachdem Ende August 2021 der neue Band 36 der „Besigheimer Geschichtsblätter“ in Besigheim selbst vorgestellt worden war, wobei über 130 Interessierte der Einladung von Bürgermeister Steffen Bühler und des Geschichtsvereins folgten, stand am 17. September im Güglinger Römermuseum die zweite Präsentation der mehr als 150 Seiten starken Veröffentlichung auf dem Programm – im Rahmen eines Vortrags des Walheimer Autors Frank Merkle mit dem Titel „Römische Vici im Neckarland und die Infrastruktur im Mittleren Neckarraum“.

 

„Vor etwa drei Jahren begannen die ersten Vorüberlegungen für das Projekt und letztlich wurde das Gedeihen des Vorhabens durch die lange Corona-Zeit entscheidend begünstigt – wenn nicht gar erst zeitlich überhaupt ermöglicht,“ wie Museumsleiter Enrico De Gennaro bei seiner Begrüßung anmerkte, „und nun können gewissermaßen die Früchte der Pandemie geerntet werden.“ Das Betrachtungsgebiet des Althistorikers Merkle erstreckte sich von Güglingen im Westen bis nach Mundelsheim im Osten und von Talheim im Norden bis nach Bad Cannstatt im Süden. „Mit dem Werk wurde für den Mittleren Neckarraum eine derart umfassende Siedlungsanalyse vorgelegt,“ so De Gennaro weiter, „wie sie ihresgleichen andernorts derzeit noch vergeblich sucht.“

 

Vortrag Buchpräsentation Merkle

„Das römische Ottmarsheim und seine Einbettung in die römische Infrastruktur im Umfeld Walheims zwischen Benningen, Böckingen, Güglingen und Großbottwar“ ist der vollständige Titel der Neuerscheinung. Als „Herzstück“ wurden drei großformatige detaillierte Kartenwerke auf der Basis des aktuellen Forschungsstandes von Enrico De Gennaro für das Werk beigesteuert.

 

In seinem Vortrag lieferte Frank Merkle den Zuhörern eingehende Einblicke in seine Forschungsergebnisse: So liegt deren Stärke nicht nur in der Analyse sämtlicher Siedlungsfundstellen im Betrachtungsraum auf Grundlage des neuesten Forschungsstandes, sondern insbesondere auch auf der intensiven Einbeziehung ihrer jeweiligen Verkehrsgeographie und dem Fluss von Handel und Waren. Darüber hinaus erfolgten gründliche Überlegungen zur Verwaltungsgliederung unseres Raumes, die zwischen den Metropolen Bad Cannstatt und Bad Wimpfen kreisten.

 

Den Einflussbereich jener Vici, also kleinstädtisch geprägter Mittelpunktsorte, wie sie aus Güglingen, aber auch aus Ottmarsheim und seit dem letzten Jahrzehnt aus Talheim vorliegen, konnte der Referent dabei plastisch skizzieren.

Für das Zabergäu etwa legte Merkle schlüssig dar, welche Rolle beispielsweise Lauffen am Neckar für die Vici von Talheim und Ottmarsheim als auch für Handel und Verkehr an Neckar und Zaber gespielt haben muss.

 

Vortrag Buchpräsentation Merkle

 

Einen weiteren Vicus vermutet der Autor in Bietigheim, nicht nur gestützt durch die prädestinierte Lage an Metter und Enz sowie die darüber bestehende Anbindung des römischen Pforzheim (dessen Name treffenderweise Portus, also "Hafen" lautete), sondern auch durch den Nachweis eines „collegium Matisonensium“ (Jungmännervereins der Metteranwohner).

 

Abgerundet wurde der Vortrag durch eine Betrachtung der herausgehobenen ländlichen Villen im Nahbereich, wie jener von Frauenzimmern, Kirchheim am Neckar, Großsachsenheim und Löchgau-Weißenhof, die sich aufgrund eindeutiger Kriterien der absolut höchsten römischen Oberschicht zuordnen lassen und deren Ausprägung und räumliche Dichte wiederum weitere spannende Vermutungen aufdrängen.

 


 

Bezogen werden kann das Buch zum Preis von 16,- € u.a. direkt beim Autor unter www.frank-merkle.de.

Aktuelle Infos für Ihren Besuch

Aktuelle Infos für Ihren Besuch

Nach einer kurzen Winterpause findet nun wieder der reguläre Öffnungsbetrieb statt.

 

Die derzeit geltenden Maßnahmen für den Besuch sind:

 

  • 2G+-Regelung mit entsprechendem Nachweis
  • Tragen einer FFP2-Maske
  • Beachtung der vor Ort gültigen Hygienevorschriften
  • Anmeldungen sind generell nicht erforderlich
Vortrag lieferte gründliche Einordnung des Werks von Heinz Rall als Kirchenbauer

Vortrag lieferte gründliche Einordnung des Werks von Heinz Rall als Kirchenbauer

Am 24. Juli 2021 war Reinhard Lambert Auer, der im vorangegangenen Jahr in Ruhestand getretene langjährige Kunstbeauftragte der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, zu Gast im Ratshöfle.

In seiner Begrüßung brachte Museumsleiter Enrico De Gennaro seine Freude zum Ausdruck, dass es trotz der langanhaltenden Unmöglichkeit von Veranstaltungen nun doch noch gelang, mit diesem ursprünglich für Februar angesetzten Begleitvortrag zur Ausstellung etwas eingehender in das Thema Kirchenbau und Heinz Rall einsteigen und auch hiermit quasi das "Werk im Werk" unter der Glaspyramide präsentieren zu können.

 

Heinz Rall Kirchenbauten Sonderausstellung

 

Im Rahmen seines Vortrages schilderte Auer nicht nur das sakralbauliche Werk Heinz Ralls anhand markanter Beispiele, sondern verstand es auch, dessen architektonisches Wirken grundlegend einzuordnen: Angefangen vom Aufbau der frühesten christlichen Versammlungsräume skizzierte er die Entwicklung von Kirchenbauten durch die Zeiten, um den Zuhörern schließlich den in der protestantischen Kirche seit dem 16. Jahrhundert immer wieder unter anderen Aspekten geführten kirchenbauerischen Diskurs über Aufbau, Gliederung und Funktion von Kirchenräumen näherzubringen – ein Spannungsfeld, in dem Heinz Rall mit all seinen Bauten agierte, wie an ihrer Verschiedenheit sichtbar wird.

 

Heinz Rall Kirchenbauten Sonderausstellung

Die Pauluskirche in Stuttgart-West: Sie ist der einzige eher traditionell wirkende dreischiffige Saalbau von Heinz Rall – wohl eine Remineszenz an die im Krieg bis auf den Turm zerstörte Vorgängerkirche, in welcher er getauft und konfirmiert wurde.

 

Dass Rall viele Grundkonzepte wie etwa das Pentagon oder die Zeltform zwar nicht selbst erfunden hat, aber sie entscheidend weiterzuentwickeln verstand – insbesondere auch angepasst an den jeweiligen Standort und die damit zusammenhängenden Erfordernisse und jeweiligen Wünsche der Gemeinden – wurde dabei ebenso deutlich wie, wie intensiv er sich mit der Lichtführung und den Materialien hinsichtlich der Wirkung in den Gottesdiensträumen und der Verkündigung des Wortes auseinandersetzte.

 

Heinz Rall Kirchenbauten Sonderausstellung

Versöhnungskirche Leonberg-Ramtel: Der Altartisch wurde eigens von Rall als bewegliches Mobiliar entworfen und steht bodeneben auf dem Fußboden, welcher aus wiederverwendeten Betonplatten der einstigen Reichsautobahn besteht. Die raumgreifende Stahlskulptur einer Dornenkrone stammt vom Stuttgarter Bildhauer Hans-Peter Fitz, der beispielsweise auch den Fritz-Faller-Brunnen im Mittleren Schlossgarten in Stuttgart gestaltete. 

 

Das besondere Augenmerk des Architekten galt in dieser Hinsicht auch der künstlerischen Ausstattung der Kirchen, die er stets in einem individuellen, intensiven Zusammenspiel sah und nicht etwa als austauschbare, bloße "Sakraldekoration", so Auer. Mit sicherem Gespür gelang es ihm dabei, junge Künstler für deren Realisierung zu gewinnen, die erst später oftmals zu größerer Geltung aufstrebten.

Nicht zuletzt wurde vergegenwärtigt, mit welcher Innovationskraft und kreativer Freude Rall es verstand, im Rahmen des seinerzeit technisch überhaupt Möglichen, architektonisch mit Formen zu spielen.

 

Heinz Rall Kirchenbauten Sonderausstellung

Innovativ: Die Kreuzkirche in Ludwigsburg – im Grundriss ein Fünfeck, die Dachflächen sind jedoch dem entgegen verkippte Dreiecke.

 

Erhellend war sicherlich auch, dass Rall bei den allermeisten realisierten Projekten teils aus über 100 Wettbewerbern mit seinen Entwürfen als Sieger hervorging und er es, trotz einzelner Direktbeauftragungen wie beispielsweise in Leonberg-Ramtel, keineswegs über gut funktionierende Connections zum produktivsten Kirchenbauer der Nachkriegszeit in Württemberg brachte. Darüber hinaus konnte er einzelne Kirchenbauten etwa in Kassel, Osnabrück und Österreich realisieren.

 

Heinz Rall Kirchenbauten Sonderausstellung

 

Während sich die Kirchen heute gravierend dem Spannungsfeld von Auflassung und Umnutzung ihrer mittlerweile zu zahlreich gewordenen Bauten ausgesetzt sehen, war Rall's Denkweise in dieser Hinsicht seiner Zeit schon um Jahrzehnte weit voraus, indem er häufig funktionsübergreifende Aspekte in den Mittelpunkt seiner Überlegungen stellte: Hervorragende Beispiele dafür sind etwa der Umbau der Güglinger Mauritiuskirche oder der Dreifaltigkeitskirche in Leutkirch/Allgäu, welcher Auer einen regelrechten multifunktionalen "Stadthallencharakter" attestierte. Diese Fortschrittlichkeit sei einer der Hauptgründe dafür, dass Ralls Kirchen mehrheitlich eine ausgezeichnete Akzeptanz in ihren betreffenden Gemeinden fänden, wie der aus Sindelfingen stammende und gewissermaßen auch in einer Rall-Kirche groß gewordene Vortragende aus seiner langjährigen beruflichen Tätigkeit selbst mitzuteilen wusste.

Die römische Palastvilla von Frauenzimmern im Modell

Die römische Palastvilla von Frauenzimmern im Modell

 

Die römische Palastvilla von Frauenzimmern:

Eine herausragende Anlage jetzt auch im Modell

 

>> Diaschau starten

 

Dass die in den Jahren 1991/92 in den Frauenzimmerner „Steinäckern“ ausgegrabene römische Villa ganz und gar nicht dem entsprach, was sich sonst in Baden-Württemberg finden lässt, stand schon frühzeitig fest: Ihr Besitzer, der mit Sicherheit wohlhabendste Mann im weiten Umland, stellte mit ihr das Ideal der „Romanitas“, des Römischseins, zur Schau. Dazu gehörte nicht nur der reine wirtschaftliche Erfolg, sondern vor allem auch das Streben nach Kultur und Bildung. Dies dokumentierte er eindrücklich mit Reliefs, die an einem 90 qm großen Wasserbecken angebracht waren – sie zeigten Szenen aus der „Odyssee“ des Epen-Dichters Homer  und waren nördlich der Alpen einzigartig. 

 

 

Und auch für die rein architektonische Gestaltung seiner Villenanlage folgte der Gutsherr einem Vorbild, für das es rechts des Rheins so gut wie keine Beispiele gibt: Es war eine Villa urbana, eine palastartige Anlage. Deren Areal war zweigeteilt in einen reinen Wirtschaftsteil und einen Wohnteil mit enormen Baukörpern, die sich um einen zentralen Innenhof gruppierten. Der größte Teil der Fläche war hier jedoch unbebaut und mit ausgedehnten Garten- und Parkanlagen gestaltet, die der reinen Erbauung dienten.

 

 

Rechtzeitig zum Ortsjubiläum „1225 Jahre Frauenzimmern“, das in diesem Jahr stattfindet, konnte nun vom Römermuseum nach jahrelanger Arbeit ein eindrückliches Modell der herrschaftlichen Anlage fertiggestellt werden.

Aufgrund der schieren Größe des darzustellenden (bislang ausgegrabenen) Teils der Anlage, der im Original 2,5 Hektar Fläche hat, wählte man den Modellbahnmaßstab Z (1:220), um es überhaupt noch in der räumlich kompakten Dauerausstellung des Römermuseums präsentieren zu können.

 

 

Am Anfang des Modells stand ein langer Prozess, in dem durch Museumsleiter Enrico De Gennaro ein hochgradig detailliertes 3-D-Modell der Baukörper am Computer erstellt wurde. In diesem Zuge erfolgte nicht nur eine akribische Analyse der Grundrisse, sondern auch eine fundierte Rekonstruktion von Aspekten wie der Geschossigkeit, Firstausrichtung, Zugangssituationen und vielem mehr.

Im Anschluss wurde das Modell von einer Spezialfirma direkt farbig 3-D-gedruckt mit einer Genauigkeit von 0,014 mm – am Limit des überhaupt technisch Machbaren.

 

 

Nachfolgend widmete man sich der Rekonstruktion der Garten- und Parkanlagen: Obwohl die Rekonstruktion der Parkanlagen natürlich hypothetisch ist, fußt sie auf zahlreichen Vergleichen und Beschreibungen. Allein aus der Konstruktion der Anlage ergeben sich Blick- und Begehungsachsen, die sich natürlich auch in der Gestaltung des Gartenkonzepts widerspiegelten.

 

 

Dass man Ziergärten nicht als etwas eigentlich Nutzloses ansah, in was nur viel Arbeit und Geld investiert werden muss, ist der römischen Landschaftsauffassung und -ästhetik zuzuschreiben. Die Entwicklung hin zu den Park- und Gartenanlagen des Barock wäre ohne diese römischen Wurzeln genauso undenkbar wie der Garten- und Landschaftsbau an sich.

 

 

Eine große Rolle in der römischen Ästhetik spielten Achsialität, Symmetrie, Fluchtpunkte und immer wieder bewegtes Wasser. Beim Blick aus den Fenstern und aus den Häusern begriff man die gestaltete Natur als gerahmtes Gemälde. Selbst was man als Wildnis darstellte, war eine gestaltete Wildnis, die einem Ideal folgte. Zahlreiche Elemente finden sich auch in schriftlichen Quellen wieder, etwa, dass in Eingangsbereichen und Innenhöfen rote und weiße Rosen in hohem Ansehen standen, in weitläufigen Bereichen erfreute man sich beispielsweise an ausgedehnten Irisrabatten. Weite Teile der römischen Parkanlagen waren von Zierrasen und niederen Buchsbaumhecken geprägt; Bäume und Büsche dienten nicht nur als alleenartige Wegbegleiter, sondern sie sorgten auch im Inneren der Wegezonierung für eine ästhetische Dramaturgie – je nachdem, wie sich der Betrachter durch den Park bewegte.

Daneben gab es in der Konzeption der Anlage sicherlich auch kleinere Nutzbereiche, wie Obst-, Gemüse- und Kräutergärten, die sich näher am Versorgungstrakt der Villa befanden. Diese könnten etwa mit höheren Hecken voneinander und vom Rest der reinen Zierbereiche optisch ausgeblendet worden sein.