Aktuelles

Wieder geöffnet!

Museum wieder geöffnet

Die Corona-Verordnung der Landesregierung vom 4. Mai 2020 ermöglicht es Museen nun, wieder öffnen zu können. Daher ist auch das Güglinger Römermuseum seit Mittwoch, 6. Mai wieder zu den normalen Öffnungszeiten für die Öffentlichkeit zugänglich.

 

Es wurden geeignete Maßnahmen getroffen, den Besuch gemäß der vorgeschriebenen Standards und Verhaltensregeln zu ermöglichen (Handdesinfektion, Besucherliste, Abstandsregel, Tragen von Mund-/Nasen-Schutz, Besucherbegrenzung entsprechend der Dauerausstellungsfläche).

 

Ganz ohne Einschränkungen im Konzept des „Museums zum Anfassen“ ging es auch hier nicht: So mussten beispielsweise die bei Kindern und Familien beliebten Mit-Mach-Elemente vorübergehend entfernt werden, auch wird die Caféteria zunächst unbenutzbar bleiben.

Der Verkauf im Museumsshop vor Ort ist nur insofern eingeschränkt, als dass keine Ansichtsexemplare zur Verfügung stehen; im Online-Shop ist nach wie vor das gesamte Sortiment wie gewohnt erhältlich.

 

Auch in nächster Zeit werden aufgrund der geltenden Regelungen Veranstaltungen wie z.B. geführte Besichtigungen weiterhin nicht stattfinden können.

 

Dennoch gibt es die Möglichkeit, die Dauerausstellung mit übergeordneten Informationen selbst zu begehen:

So verfügt das Römermuseum über einen dreisprachigen Audioguide in Deutsch, Englisch und Französisch und je nach Sprache kann man sich Informationen mit einer Gesamtspielzeit von ca. 35-45 Minuten anhören.

Dass dieser Audioguide nicht hardwarebasiert ist, erweist sich gerade jetzt von Vorteil und daher der Tipp: Das eigene Smartphone mitbringen – es ist nur eine Internetverbindung und eine gängige QR-Code-Reader-App notwendig.

 

 


 

 

Ab dem 10. Juni 2020 wurden Führungen und museumspädagogische Veranstaltungen in Kleingruppen mit bis zu 10 Personen wieder gestattet.

Das Römermuseum nimmt seine Führungen ab Juli 2020 wieder ausnahmslos auf: Die Bedingung für die Teilnahme ist der Eintrag in die zu führende Besucherliste, das Tragen von Mund-/Nasenschutz und die Abstandsregel. Derzeit können so bis zu 19 Personen an einer Führung teilnehmen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, um frühzeitiges Erscheinen wird gebeten.

Totenmahlrelief mit vornehmer Güglingerin nun ausgestellt

Totenmahlrelief mit vornehmer Güglingerin nun ausgestellt

Ein spannender Fund aus dem römischen Güglingen ist als einer der wenigen überhaupt eindeutig der Bestattungskultur zuzuordnen, denn das Gräberfeld zur Siedlung fand man bis heute nicht.

Da selbst die Corona-Zeit im Römermuseum in keinster Weise ungenutzt blieb, wurde dieses Stück zwischenzeitlich für die dauerhafte Präsentation aufbereitet und kann seit Ende Juni 2020 der Öffentlichkeit gezeigt werden.

Es handelt sich dabei um ein Reliefbruchstück aus Schilfsandstein, das Uli Peter im August 1999 im mittlerweile überbauten Bereich von Feuerwehr/Bauhof auf der Ackeroberfläche fand und welches er nun dem Museum als dauerhafte Leihgabe zur Verfügung gestellt hat.

 

Totenmahlrelief Frisur

 

Darauf zu sehen ist der fein frisierte Kopf einer Frau. Das nach oben halbrunde Bildfeld ist als muschelartiger Baldachin gestaltet und auf dem oberen Reliefrand ist noch links der ursprünglichen Mitte ein "D" als Inschriftrest erkennbar. Somit ist das Relief eindeutig dem Bestattungswesen zuzuordnen, denn die Inschrift lässt sich mit dem fehlenden zweiten Buchstaben ergänzen zu "Dis Manibus", "den Göttern/Geistern der Verstorbenen geweiht". Mit diesen auf Grabsteinen wiederkehrenden Weihungen sollten vor allem die fremden Geister besänftigt werden, denen man nach dem Tod schutzlos ausgeliefert war.

 

Totenmahlrelief Frisur

Schöner Vergleich für das Güglinger Stück: Grabstein für Aelia Aeliana mit Totenmahldarstellung, gefunden an der Scarborough Bridge in York. Das Ehepaar nimmt am eigenen Leichenschmaus teil; bedient werden sie von einer Sklavin, die entsprechend ihrer Bedeutungsgröße deutlich kleiner dargestellt ist.

Quelle: Foto: Mike Peel (CC-BY-SA-4.0).

 

 

Teilnehmerin beim eigenen Totenmahl

 

Merkwürdig ist am Relief nun aber, dass der erhaltene Frauenkopf so weit entfernt von den Rändern angebracht ist. Vergleiche haben nun gezeigt, dass es sich dabei um eine Totenmahldarstellung handelt: Darauf sind die Verstorbenen, auf einem Speisesofa liegend, beim eigenen Leichenschmaus abgebildet. Vermutlich war die Frau nicht alleine, sondern rechts von ihr war ihr Gatte dargestellt.

Für den typischen Römer war es das Schlimmste, für die Nachwelt in Vergessenheit zu geraten. So schuf man, je nach Geldbeutel, aufwendige Grabdenkmäler, die auch den eigenen Status dokumentieren sollten.

Die hier dargestellte Frau trägt eine seinerzeit topmodische Nestfrisur und ein Diadem auf dem Haupt: Bei dieser Frisur wurden mehrere Zöpfe aus Eigenhaar relativ dicht am Kopf frisiert; eine beidseits des Kopfes entlanggeführte Nackentolle ließ bei manchen Varianten die Ohren mal bedeckt und mal unbedeckt.

 

Totenmahlrelief Frisur

 

 

Ungewöhnlich späte Datierung

 

Das ist nun überaus spannend für die Datierung des Reliefs: Diese Frisurenmode kam erst in severischer Zeit auf und durch sie lässt sich das Steindenkmal mit einiger Sicherheit in das 2. Viertel des 3. Jahrhunderts datieren – überraschend spät, denn die letzte Münze, die aus den Grabungen vorliegt, stammt aus dem Jahr 228 n. Chr.

 

Nordafrikaner auf dem Kaiserthron

 

Die Kaiserdynastie der Severer hatte es schwer, in Rom Anklang zu finden, da ihre Mitglieder aus Nordafrika stammten und somit allein schon nicht gut gelitten waren. Auffallend ist in jener Zeit, dass sie vermehrt ihre weiblichen Angehörigen auf Münzbilder prägen ließen, um damit ihre dynastischen Bestrebungen zu festigen.

 

Hochzeitsdenar Orbiana

Sallustia Barbia Orbiana war die Frau des Kaisers Severus Alexander (222-235 n. Chr.) – allerdings nur von 225-227 n. Chr.: Auf Betreiben ihrer Schwiegermutter wurde die Ehe aufgelöst und Orbiana zurück nach Afrika geschickt, wo sie in Verbannung weiterleben musste. Sie trägt die Nestfrisur mit Diadem, wobei ihre Ohren hier unbedeckt sind. „Hochzeitsdenar“, um 225 n. Chr.; AO: Römermuseum Güglingen, Dauerausstellung (Leihgabe Uli Peter).

 

 

Von der Modemetropole Rom in die Provinz

 

Dies hatte auch eine bedeutende Auswirkung auf die Frauenmode: So war das Bild, das von den Kaiserinnen über die Münzen ins Volk transportiert wurde, prägend für die Frisurenmode. Wer etwas auf sich hielt, wollte ihnen so gut wie möglich nacheifern – insbesondere jene Frauen, die sich der Oberschicht zurechneten.

Während heute also die Mode kurzlebigsten Trends folgt und unzählige Selbstdarsteller ihre gefeierten Ikonen sind, so galten in römischer Zeit die Kaiserinnen als die alleinigen Trendsetterinnen. Bedingt durch das Vermitteln ihrer Bilder ins Volk und deren langer Laufzeit (wenn man z.B. an Münzen im Umlauf denkt) ergab sich freilich, dass die Modeströmungen weitaus länger währten als heutzutage.

Bis in die Provinz kamen somit diese Trends und dienten unserer vornehmen Güglingerin als Inspirationsquelle für ihre Frisur, mit welcher sie der Nachwelt bis heute erhalten bleiben sollte.

 

Münze Otacilia Severa

Bei Marcia Otacilia Severa, der Frau des späteren Kaisers Philippus Arabs (244-249 n. Chr.), tritt schon ein Übergang von der Nest- zur Scheitelzopffrisur ein: Hier wird ein Haarstrang an der Mitte des Hinterkopfes nach oben geführt. Bei der Güglinger Reliefdarstellung ist dieser Bereich allerdings bereits mit der Platte verbunden und die schlussendliche Beurteilung daher schwierig. Antoninian, 234 n. Chr.; AO: Römermuseum Güglingen, Sammlung (Schenkung Sammlung Zapf).

 

Als fruchtbarer Nebenaspekt zu Autopsie und wissenschaftlicher Einordnung des Fundes durch Museumsleiter Enrico De Gennaro ist ein Aufsatz entstanden, der nicht nur dieses Relief, sondern sämtliche Steindenkmäler behandeln wird, die sich einem Bezug zu Bestattungswesen und Grabkult auf der Güglinger Teilgemarkung zuordnen lassen. Erscheinen wird er im Herbst 2020 im Rahmen der Zeitschrift des Zabergäuvereins.

Die römische Palastvilla von Frauenzimmern im Modell

Die römische Palastvilla von Frauenzimmern im Modell

 

Die römische Palastvilla von Frauenzimmern:

Eine herausragende Anlage jetzt auch im Modell

 

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Dass die in den Jahren 1991/92 in den Frauenzimmerner „Steinäckern“ ausgegrabene römische Villa ganz und gar nicht dem entsprach, was sich sonst in Baden-Württemberg finden lässt, stand schon frühzeitig fest: Ihr Besitzer, der mit Sicherheit wohlhabendste Mann im weiten Umland, stellte mit ihr das Ideal der „Romanitas“, des Römischseins, zur Schau. Dazu gehörte nicht nur der reine wirtschaftliche Erfolg, sondern vor allem auch das Streben nach Kultur und Bildung. Dies dokumentierte er eindrücklich mit Reliefs, die an einem 90 qm großen Wasserbecken angebracht waren – sie zeigten Szenen aus der „Odyssee“ des Epen-Dichters Homer  und waren nördlich der Alpen einzigartig. 

 

 

Und auch für die rein architektonische Gestaltung seiner Villenanlage folgte der Gutsherr einem Vorbild, für das es rechts des Rheins so gut wie keine Beispiele gibt: Es war eine Villa urbana, eine palastartige Anlage. Deren Areal war zweigeteilt in einen reinen Wirtschaftsteil und einen Wohnteil mit enormen Baukörpern, die sich um einen zentralen Innenhof gruppierten. Der größte Teil der Fläche war hier jedoch unbebaut und mit ausgedehnten Garten- und Parkanlagen gestaltet, die der reinen Erbauung dienten.

 

 

Rechtzeitig zum Ortsjubiläum „1225 Jahre Frauenzimmern“, das in diesem Jahr stattfindet, konnte nun vom Römermuseum nach jahrelanger Arbeit ein eindrückliches Modell der herrschaftlichen Anlage fertiggestellt werden.

Aufgrund der schieren Größe des darzustellenden (bislang ausgegrabenen) Teils der Anlage, der im Original 2,5 Hektar Fläche hat, wählte man den Modellbahnmaßstab Z (1:220), um es überhaupt noch in der räumlich kompakten Dauerausstellung des Römermuseums präsentieren zu können.

 

 

Am Anfang des Modells stand ein langer Prozess, in dem durch Museumsleiter Enrico De Gennaro ein hochgradig detailliertes 3-D-Modell der Baukörper am Computer erstellt wurde. In diesem Zuge erfolgte nicht nur eine akribische Analyse der Grundrisse, sondern auch eine fundierte Rekonstruktion von Aspekten wie der Geschossigkeit, Firstausrichtung, Zugangssituationen und vielem mehr.

Im Anschluss wurde das Modell von einer Spezialfirma direkt farbig 3-D-gedruckt mit einer Genauigkeit von 0,014 mm – am Limit des überhaupt technisch Machbaren.

 

 

Nachfolgend widmete man sich der Rekonstruktion der Garten- und Parkanlagen: Obwohl die Rekonstruktion der Parkanlagen natürlich hypothetisch ist, fußt sie auf zahlreichen Vergleichen und Beschreibungen. Allein aus der Konstruktion der Anlage ergeben sich Blick- und Begehungsachsen, die sich natürlich auch in der Gestaltung des Gartenkonzepts widerspiegelten.

 

 

Dass man Ziergärten nicht als etwas eigentlich Nutzloses ansah, in was nur viel Arbeit und Geld investiert werden muss, ist der römischen Landschaftsauffassung und -ästhetik zuzuschreiben. Die Entwicklung hin zu den Park- und Gartenanlagen des Barock wäre ohne diese römischen Wurzeln genauso undenkbar wie der Garten- und Landschaftsbau an sich.

 

 

Eine große Rolle in der römischen Ästhetik spielten Achsialität, Symmetrie, Fluchtpunkte und immer wieder bewegtes Wasser. Beim Blick aus den Fenstern und aus den Häusern begriff man die gestaltete Natur als gerahmtes Gemälde. Selbst was man als Wildnis darstellte, war eine gestaltete Wildnis, die einem Ideal folgte. Zahlreiche Elemente finden sich auch in schriftlichen Quellen wieder, etwa, dass in Eingangsbereichen und Innenhöfen rote und weiße Rosen in hohem Ansehen standen, in weitläufigen Bereichen erfreute man sich beispielsweise an ausgedehnten Irisrabatten. Weite Teile der römischen Parkanlagen waren von Zierrasen und niederen Buchsbaumhecken geprägt; Bäume und Büsche dienten nicht nur als alleenartige Wegbegleiter, sondern sie sorgten auch im Inneren der Wegezonierung für eine ästhetische Dramaturgie – je nachdem, wie sich der Betrachter durch den Park bewegte.

Daneben gab es in der Konzeption der Anlage sicherlich auch kleinere Nutzbereiche, wie Obst-, Gemüse- und Kräutergärten, die sich näher am Versorgungstrakt der Villa befanden. Diese könnten etwa mit höheren Hecken voneinander und vom Rest der reinen Zierbereiche optisch ausgeblendet worden sein.

 

Gelungene Einweihung: Farbige Kultbildrekonstruktion in Mithräum II feierlich enthüllt

Gelungene Einweihung: Farbige Kultbildrekonstruktion in Mithräum II feierlich enthüllt

Farbige Kultbildrekonstruktion

 

Unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit aus Nah und Fern wurde am vergangenen Sonntag die farbige Rekonstruktion des Kultbildes in Mithräum II eingeweiht – zahlreiche Besucher folgten der Einladung zur Enthüllung in der Archäologischen Freilichtanlage.

 

 

Bürgermeister Ulrich HeckmannWie Bürgermeister Heckmann in seiner Begrüßungsrede herausstrich, war die Entdeckung und Ausgrabung zweier Mithras-Heiligtümer in der römischen Zivilsiedlung von Güglingen in den Jahren 1999 und 2002-2004 durch das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg eine vielbeachtete archäologische Sensation: Insbesondere die vollständige Erhaltung des zweiten Mithräums mit seiner gesamten Ausstattung an Steindenkmälern und Kultgegenständen sorgte auch international für beträchtliche Furore.

 

Im Jahr 2003 ließ die Stadt Güglingen bereits während der laufenden Ausgrabungen von den Steindenkmälern aus Mithräum II einen vollständigen Satz an Kunststeinabgüssen anfertigen. Damals war bestenfalls ein Schutzhaus über dem Originalbefund des Heiligtums im Gespräch oder man wollte die Bildwerke und Altäre als Teil eines Skulpturengartens aufstellen – zu diesem Zeitpunkt hätte noch niemand daran gedacht, dass in der Stadt einmal ein Römermuseum eingerichtet werden würde, in dem auch noch sämtliche Originale vorhanden wären, und so dankte Bürgermeister Heckmann hierfür seinem ebenfalls anwesenden Amtsvorgänger Klaus Dieterich.

 

 

Flankiert vom mehrtägigen Internationalen Kolloquium „Religion am Rande des Imperiums“ wurde im Jahr 2009 am Ausgrabungsplatz schließlich eine Archäologische Freilichtanlage eingeweiht, die 2017 mit der großen Panoramawand eine weitere Ergänzung erfuhr.

 

Zwischenzeitlich wurden zahlreiche Funde aus den Güglinger Mithräen seit 2008 nicht nur dauerhaft im Römermuseum der Öffentlichkeit präsentiert, sondern sie waren temporär auch in den großen Sonderausstellungen „Imperium der Götter. Isis – Mithras – Christus“ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe (2013/14) und „Faszination Schwert“ im Landesmuseum Württemberg Stuttgart (2018/19) zu sehen sowie zuletzt in der großen Schau „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“, die 2018/19 im Martin-Gropius-Bau in Berlin stattfand.

 

Museumsleiter Enrico De GennaroWie Museumsleiter Enrico De Gennaro bei seiner Einführung erläuterte, hätte für Berlin die Demontage und anschließende Wiederaufstellung der im Römermuseum befindlichen Originale der Steindenkmäler einen zu großen finanziellen Aufwand verursacht und so musste man sich dort teilweise mit den vorhandenen städtischen Kopien behelfen. Nachdem diese nun Anfang des Jahres wieder nach Güglingen zurückgekehrt sind, konnten weitere Gedanken über ihren Endverbleib angestrengt werden.

Angeregt durch einen privaten Spender aus Stuttgart, in der Freilichtanlage in Mithräum II eine farbige Kultbildrekonstruktion zu präsentieren, reifte so schließlich der Entschluss, nicht nur das Kultbild zu zeigen, sondern im selben Kontext auch die Abgüsse der Steindenkmäler vor Ort zu installieren.

 

 

Die farbige Rekonstruktion des einst bemalten Kultbilds von Mithräum II wurde von der israelischen Künstlerin Shira Nov gestaltet, die ihr Studium in Basel absolvierte. Derzeit widmet sie sich schon ihrem nächsten Projekt, der Buchillustration für „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende, sie fand aber dennoch den Weg aus Wangen im Allgäu zur Enthüllung nach Güglingen.

 

Shira NovDen interessierten Zuhörern erläuterte sie nach der feierlichen Enthüllung des in rubinrotem Stoff eingehüllten Kunstwerks, wie sie sich den römischen Vorbildern und der originalen Technik anzunähern versuchte: So wählte sie Ei-Tempera für die Umsetzung der Vorlage und als Vorbilder für die Kolorierung diente eine starke Anlehnung an die am besten erhaltenen Kultbildfresken in den Mithräen von Marino am Albaner See in Latium und Santa Maria Capua Vetere in Campanien.

 

In die Kultbildrekonstruktion wurde die aus Güglingen erhaltene rechte untere Ecke des Kultbilds eingebunden und gemeinsam mit der farbig gehaltenen Ergänzung in einem Metallrahmen gefasst. Die Malerei selbst wurde zwischen zwei Lagen Panzerglas gedruckt – hierdurch erhält selbst die Rückseite optisch eine gewisse Luzidität und wirkt von der Umgehungsstraße aus nicht so dominierend wie eine tote Fläche.

 

 

Für die in mehrerlei Hinsicht anspruchsvolle Umsetzung dieser Konstruktion zeichnete die Firma Pixelgurus aus Ostfildern-Ruit verantwortlich, die bereits eingehende Erfahrungen mit ähnlichen dauerhaften Präsentationen im öffentlichen Raum besitzt, wie beispielsweise dem HAP-Grieshaber-Weg in Eningen unter Achalm.

 

Angelika Beck

 

Einen Kurzvortrag mit dem Titel „Das Leben und Wirken von Mithras: Was wir aus Bildern und Inschriften erfahren“ bekamen die Anwesenden dann von Angelika Beck zu hören. Derzeit mit ihrem Masterstudium an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg zugange, ist die Altgeschichtlerin seit April 2018 im Führungsbetrieb des Römermuseums tätig und unter anderem eine Spezialistin für antike Mysterienkulte und die Mithrasverehrung. Sie schilderte, wie das Leben und Wirken des Mithras illustriert werden kann und was sich davon in den Heiligtümern und Kultbildern widerspiegelt: Obwohl es sich beim römischen Mithras-Kult um einen Geheimkult gehandelt hat, existieren doch einige Quellen, die hierzu verschiedenste Einblicke erlauben. So können dafür szenische Darstellungen auf verschiedenen Kultbildumrahmungen herangezogen werden als auch beispielsweise die Fresken und Inschriften aus dem Mithräum unter der Kirche Santa Prisca in Rom.

 

 

Nach dem inhaltlichen Teil leitete Bürgermeister Heckmann dann zum Umtrunk und dem Imbiss über. Was hier vorbereitet wurde, hatte eine enge Verbindung zum einstigen Kultgeschehen:

Gegrillte Geflügelwürstchen sollten anklingen lassen, dass die Untersuchung der Tierknochen aus den Abfallgruben von Mithräum II umfassend Aufschluss über die Speisen beim gemeinsamen Kultmahl gaben – so bestand es hier überwiegend aus Hühnchen in den verschiedensten Zubereitungsarten. Ebenso war symbolhafter roter Wein gegenwärtig, der als Sinnbild für das vergossene Blut des Stieres getrunken wurde – bei der Einweihung in Form von „Sanguis Tauri“ gereicht, dem Samtrot der WG Cleebronn-Güglingen.

 

 

So war auch dieser letzte Teil der Veranstaltung sehr dicht an der Antike: In einigen Mithräen existieren nämlich Hinweise auf Einweihungsveranstaltungen der Tempel, die in Gegenwart der breiten Öffentlichkeit stattfanden, denn trotz des Geheimkults scheinen daran aufgrund der Vielzahl der Speiseabfälle und Geschirrfunde nicht nur die Gläubigen teilgenommen zu haben, sondern die gesamte Einwohnerschaft dazu eingeladen gewesen zu sein.

 

Führungsprogramm 2020

Führungsprogramm 2020

Neben unserem unseren regelmäßigen Öffentlichen Führungen (am 1. Sonntag des Monats) und Familienführungen (am 3. Sonntag des Monats) werden verschiedene Sonderführungen eine Reihe von Themen in der Dauerausstellung beleuchten.
 

 

Die Termine im Überblick:

 

Öffentliche Führungen:

(jeden 1. Sonntag im Monat um 15 Uhr)

5.1., 2.2., 1.3.

5.4., 3.5., 7.6.

5.7., 2.8., 6.9.

4.10., 8.11. (Ausnahme wg. Allerheiligen), 6.12.2020

 

Familienführungen:

(jeden 3. Sonntag im Monat um 15 Uhr)

19.1., 16.2., 15.3.

19.4., 17.5., 21.6.

19.7., 16.8., 20.9.

18.10., 15.11., 20.12.2020

 

 

Terra Sigillata Krug WeintraubenWeinerlebnisführung "Sentire Vinum Romanum"

Einen Einblick – nicht nur in die römische Weinkultur – bekommen Sie bei dieser Themenführung mit Weinerlebnisführerin und Weindozentin Regine Sommerfeld und Museumsleiter Enrico De Gennaro.

Begleitet von einem Secco und 4 Weinen führt Sie der Rundgang durch das Museum. An ausgewählten Stationen verkosten Sie Weine der Weingärtner Cleebronn-Güglingen und erfahren dabei allerlei Interessantes und Kurioses über die Weinkultur nicht nur der römischen Zeit.

 

Themenführung mit Regine Sommerfeld und Enrico De Gennaro M.A.

Termin: Sonntag, 1.3.2020 um 14:00 Uhr

Dauer: ca. 2,5 Stunden

Kosten: 23,- € p.P. (inkl. 1 Secco, 4 Weine, Eintritt)

Anmeldung erforderlich über:

Regine Sommerfeld

Weindozentin und Weinerlebnisführerin

Tel.: 07135/5974

Regine.sommerfeld@t-online.de

oder

Römermuseum Güglingen

Tel.: 07135/9361123

info@roemermuseum-gueglingen.de

 

 

Jupiter„Steine des Anstoßes: Von Kopfgeburten und berauschten Göttern“

Die Argumentation des Christentums gegen die althergebrachten Kulte im Imperium Romanum stützte sich nicht zuletzt auf die moralische Verworfenheit der alten Götter. So soll Mercur laut Mythos ein Dieb gewesen, Jupiter ein untreuer Ehemann und Bacchus ständig betrunken gewesen sein, während Saturn sogar alle seine Kinder aufgefressen haben soll.

Da in der heidnischen Philosophie die Ethik und in der Gesellschaft das moralische Ansehen einen im Vergleich zu heute beinahe noch höheren Stellenwert hatten, mag man sich die Frage stellen, was hinter der Verehrung dieser Götterbilder steckt und ob in diesen nicht eine tiefere Philosophie verarbeitet ist.

Themenführung mit Frank Merkle M.A.

Termin: Sonntag, 22.3.2020 um 11:00 Uhr und 14:00 Uhr

Dauer: ca. 90 Minuten

Kosten: 4,- € p.P. zzgl. erm. Eintritt (Museums-PASS-Musées-Inhaber: gratis)

 

 

Altar Proserpina Persephone„Terra – Erde“

In römischer Zeit gewann man aus der Erde vieles: Sei es der Lehm für den Bau von Fachwerkhäusern, Ton für die Herstellung von Ziegeln sowie für die Töpferei und Keramikherstellung, deren Massenproduktion teilweise beachtliche und regelrecht vorindustrielle Ausmaße erreichte.

Im religiösen Zusammenhang kreisen um den Bezug zur Erde nicht zuletzt auch zahlreiche Gottheiten, die beispielsweise mit der Fruchtbarkeit eng in Verbindung stehen.

Themenführung mit Museumsleiter Enrico De Gennaro M.A.

Termin: Sonntag, 26.4.2020 um 11:00 Uhr und 15:00 Uhr

Dauer: ca. 90 Minuten

Kosten: 4,- € p.P. zzgl. erm. Eintritt (Museums-PASS-Musées-Inhaber: gratis)

 

 

Holzpfosten Streifenhaus Fachwerk„Lignum – Holz“

Die Bedeutung und Nutzung von Holz war in römischer Zeit allgegenwärtig und es war einer der wichtigsten Rohstoffe vor 1800 Jahren. Seine Verwendung war äußerst vielfältig – ob als Werkstoff, Baustoff oder Brennstoff.

Die große Rolle, die das Holz in vielen Bereichen der Zivilisation und Kultur der Römerzeit abdeckte, wird dem Besucher an vielen verschiedenen Beispielen eindrucksvoll vor Augen geführt.

Themenführung mit Museumsleiter Enrico De Gennaro M.A.

Termin: Sonntag, 10.5.2020 um 11:00 Uhr und 15:00 Uhr

Dauer: ca. 90 Minuten

Kosten: 4,- € p.P. zzgl. erm. Eintritt (Museums-PASS-Musées-Inhaber: gratis)

 

 

Kapitell Jupitergigantensäule Hausen„Überall zuhause: Mobilität, Migration und Vielfalt im römischen Reich“

Das Römische Reich war weitaus größer als die Europäische Union heute. Viele Personen unterschiedlichster Herkunft lebten im gesamten Imperium – doch richtige „Römer“ waren die wenigsten von ihnen.

Ein verbindendes Element war dieselbe Kultur, doch welche Gemeinsamkeiten gab es unter all den Einwohnern noch? Beherrschte überhaupt jeder die lateinische Sprache in Wort und Schrift? Auf welcher Basis funktionierte das gemeinsame Zusammenleben von Personen unterschiedlichster Herkunft? Welche Bevölkerungsbewegungen fanden statt und wie kamen sogar Kaiser an die Macht, die nicht einmal aus Italien stammten? Welche Rolle nahm die Religion ein und was lässt sich an der Struktur eines Götterhimmels ablesen?

Themenführung zum Internationalen Museumstag mit Frank Merkle M.A.

Termin: Sonntag, 17.5.2020 um 11:00 Uhr und 14:00 Uhr

Dauer: ca. 90 Minuten

Kosten: 4,- € p.P. zzgl. erm. Eintritt (Museums-PASS-Musées-Inhaber: gratis)


 

Kellernische„Lapis – Stein“

Mit der römischen Besiedlung hielt der Steinbau bei uns Einzug, wenn auch nur für vergleichsweise kurze Zeit. Die fachgerechte Nutzung dieses Rohmaterials strahlte in verschiedenste Bereiche aus: So diente Stein nicht nur als Baustoff, sondern auch als Material für Gebrauchsgegenstände und Schmuck.

Nicht zuletzt war seine Bedeutung in der religiösen Plastik von immensem Stellenwert, der in Güglingen als der götterbildreichsten römischen Siedlung Baden-Württembergs besonders offenkundig wird. 

Themenführung mit Museumsleiter Enrico De Gennaro M.A.

Termin: Sonntag, 28.6.2020 um 11:00 Uhr und 15:00 Uhr

Dauer: ca. 90 Minuten

Kosten: 4,- € p.P. zzgl. erm. Eintritt (Museums-PASS-Musées-Inhaber: gratis)

 

 

Öffentliche Badeanlage Latrine Badegebäude„Aqua – Wasser“

Die Römer und das Wasser – wem kämen da nicht gleich die ausgeklügelten Badeanlagen in den Sinn und die Gewohnheit der Römer, dort täglich der Körperpflege zu frönen?

Doch wie funktionierte die Wasserversorgung in Güglingen, dem bedeutenden Mittelpunktsort im Zabergäu? Wo spielte der Gebrauch von Wasser überall sonst noch eine Rolle? Nachgegangen wird aber auch beispielsweise der Bedeutung der Wasserwege oder jenen Gottheiten, die in Verbindung mit Wasser standen.

Themenführung mit Museumsleiter Enrico De Gennaro M.A.

Termin: Sonntag, 12.7.2020 um 11:00 Uhr und 15:00 Uhr

Dauer: ca. 90 Minuten

Kosten: 4,- € p.P. zzgl. erm. Eintritt (Museums-PASS-Musées-Inhaber: gratis)

 

 

Felsgeburt Mithras„Heidnische Wurzeln des Christentums“

Diese Führung will aufzeigen, dass das Christentum nicht nur von jüdischen Vorstellungen geprägt wurde, sondern auch zahlreiche heidnische Gedanken in sich aufnahm oder weiterentwickelte.

Der Trinitätsgedanke wäre hier ebenso zu nennen wie die Fleischwerdung des Gottessohnes, die Ausgestaltung von dessen Erdenleben oder auch seine Himmelfahrt.

Außerdem ist innerhalb des Heidentums eine Tendenz zum Monotheismus bis zur Spätantike hin auszumachen, welche besonders am römischen Sonnengott Sol festgemacht werden kann.

In Güglingen eignet sich zur Veranschaulichung der Sonnensymbolik die Rekonstruktion eines der zwei dort ausgegrabenen Mithräen vorzüglich. Unter anderem wird dort verdeutlicht, wie sich das Weihnachtsfest von seiner ursprünglichen Feier zu Ehren Sols zum christlichen Fest hin wandelte.

Themenführung mit Frank Merkle M.A.

Termin: Sonntag, 22.11.2020 um 11:00 Uhr und 14:00 Uhr

Dauer: ca. 90 Minuten

Kosten: 4,- € p.P. zzgl. erm. Eintritt (Museums-PASS-Musées-Inhaber: gratis)

 

 

Modell Töpferofen„Ignis – Feuer“

Das Feuer war ein essentielles Element, das in den verschiedensten Lebensbereichen einen tragenden Stellenwert einnahm – sei es das Herdfeuer im privaten Heim, das Feuer im Gebrauch bei verschiedensten Handwerkszweigen, bei der Begräbnissitte oder die große Bedeutung des Feuers im religiösen Kontext.

Nicht zuletzt wird auch seine zerstörerische Kraft eine Rolle spielen bei dieser Führung, die sich in vielfältiger Weise auf die Spur des Feuers begibt.

Themenführung mit Museumsleiter Enrico De Gennaro M.A.

Termin: Sonntag, 29.11.2020 um 11:00 Uhr und 15:00 Uhr

Dauer: ca. 90 Minuten

Kosten: 4,- € p.P. zzgl. erm. Eintritt (Museums-PASS-Musées-Inhaber: gratis)

 


 

Infos zu den einzelnen Veranstaltungen finden Sie auch >>Hier in unserem Führungsfaltblatt.