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Neuerscheinung „Museum ohne Grenzen“ von François Loeb

Neuerscheinung „Museum ohne Grenzen“ von François Loeb

Langjähriger Freund von Friedrich Dürrenmatt schreibt über Römermuseum

 

345 Museen in drei Ländern – von Bern bis Mainz, von Stuttgart bis Metz und Nancy – können mit dem Oberrheinischen Museumspass besucht werden. Darunter sind viele Häuser von internationalem Rang, aber auch zahlreiche kleine, feine Museen, die es wert sind, entdeckt zu werden – zusammen bilden sie vermutlich das größte Museum der Welt.

 

Im Jahr 2018 initiierte der Verband Museums-PASS-Musées ein trinationales Buchprojekt, in dessen Rahmen die teilnehmenden Mitgliedsmuseen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz vorgestellt und mit Kurzgeschichten porträtiert werden sollten.

 

Mit dieser Aufgabe betraut wurde der Schweizer Schriftsteller François Loeb, der von sich selbst sagt: „Ich schreibe nicht, es schreibt mir!“: Oftmals beginnt er mit einer Assoziation und daraus entstehenden Wortgeburten, indem er die Bilder, die er einfängt, schließlich in Sätze zu gießen und textlich zu materialisieren versucht. Bei seinen Museumsbesuchen brachte er den besonderen Zauber des jeweiligen Ortes literarisch zur Sprache.

 

Am 22. September 2019 stattete François Loeb dem Güglinger Römermuseum seinen Besuch ab. Intuitiv besonders angesprochen und inspiriert hat ihn hier das Thema „Spiel“, und so entstand für das Buch die Kurzgeschichte „Der Spieler“. Das Museumsporträt und die Kurzgeschichte finden sich nun im Band 1 (Deutschland) von "Museum ohne Grenzen – Schätze der Region entdecken" wieder.

 

Ausstellungskomplex Spiel Freizeit Enrico De Gennaro

Museumsleiter Enrico De Gennaro zeigt die ungewöhnlich zahlreichen Objekte aus dem Vicus von Güglingen, die in den Bereich Spiel und Freizeitgestaltung gehören: Dazu zählen neben Massen von unterschiedlichsten Spielsteinen auch Würfel, Murmeln und Spielknöchelchen. Selbst international gesehen ganz besonders selten ist ein Vorläufer des späteren Schlittschuhs.

 

Alle drei Bücher sind kürzlich im Herder-Verlag (Freiburg-Basel-Wien) erschienen. Jeder der drei Bände widmet sich den Museen jeweils eines Landes.

Der Band 1 (Deutschland, ISBN 978-3-451-38853-8, 20,- €) umfasst 272 Seiten, Band 2 (Frankreich, ISBN 978-3-451-38854-5, 15,- €) 192 Seiten und Band 3 (Schweiz, ISBN 978-3-451-38855-2, 15,- €) 150 Seiten. Alle drei Bände sind auch zusammen im Buchhandel zu erstehen (ISBN 978-3-451-39189-7) zum Paketpreis von 40,- €.

 

Zur Person des Autors:

Bereits seit seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften war das Schreiben die Passion von François Loeb. Regelmäßig veröffentlichte er Romanwerke in der NZZ. Nach seinem Rückzug aus dem Berufsleben als Unternehmer im Jahr 2002 wurde ihm das Schreiben schließlich zur zweiten Berufung.

Eine langjährige Freundschaft verband ihn mit Friedrich Dürrenmatt, und so setzte er sich während seiner Zeit als Schweizer Nationalrat (1987-1999) maßgeblich für die Gründung des Centre Dürrenmatt in Neuchâtel ein, das der Schweizer Nationalbibliothek angegliedert ist. Im Jahr 2019 veröffentlichte er seine „Erinnerungen an Friedrich Dürrenmatt“ in Buchform.

>> www.francois-loeb.com

Vortrag und Buchvorstellung zu römischen Vici und Infrastruktur des Mittleren Neckarraums

Vortrag und Buchvorstellung zu römischen Vici und Infrastruktur des Mittleren Neckarraums

Nachdem Ende August 2021 der neue Band 36 der „Besigheimer Geschichtsblätter“ in Besigheim selbst vorgestellt worden war, wobei über 130 Interessierte der Einladung von Bürgermeister Steffen Bühler und des Geschichtsvereins folgten, stand am 17. September im Güglinger Römermuseum die zweite Präsentation der mehr als 150 Seiten starken Veröffentlichung auf dem Programm – im Rahmen eines Vortrags des Walheimer Autors Frank Merkle mit dem Titel „Römische Vici im Neckarland und die Infrastruktur im Mittleren Neckarraum“.

 

„Vor etwa drei Jahren begannen die ersten Vorüberlegungen für das Projekt und letztlich wurde das Gedeihen des Vorhabens durch die lange Corona-Zeit entscheidend begünstigt – wenn nicht gar erst zeitlich überhaupt ermöglicht,“ wie Museumsleiter Enrico De Gennaro bei seiner Begrüßung anmerkte, „und nun können gewissermaßen die Früchte der Pandemie geerntet werden.“ Das Betrachtungsgebiet des Althistorikers Merkle erstreckte sich von Güglingen im Westen bis nach Mundelsheim im Osten und von Talheim im Norden bis nach Bad Cannstatt im Süden. „Mit dem Werk wurde für den Mittleren Neckarraum eine derart umfassende Siedlungsanalyse vorgelegt,“ so De Gennaro weiter, „wie sie ihresgleichen andernorts derzeit noch vergeblich sucht.“

 

Vortrag Buchpräsentation Merkle

„Das römische Ottmarsheim und seine Einbettung in die römische Infrastruktur im Umfeld Walheims zwischen Benningen, Böckingen, Güglingen und Großbottwar“ ist der vollständige Titel der Neuerscheinung. Als „Herzstück“ wurden drei großformatige detaillierte Kartenwerke auf der Basis des aktuellen Forschungsstandes von Enrico De Gennaro für das Werk beigesteuert.

 

In seinem Vortrag lieferte Frank Merkle den Zuhörern eingehende Einblicke in seine Forschungsergebnisse: So liegt deren Stärke nicht nur in der Analyse sämtlicher Siedlungsfundstellen im Betrachtungsraum auf Grundlage des neuesten Forschungsstandes, sondern insbesondere auch auf der intensiven Einbeziehung ihrer jeweiligen Verkehrsgeographie und dem Fluss von Handel und Waren. Darüber hinaus erfolgten gründliche Überlegungen zur Verwaltungsgliederung unseres Raumes, die zwischen den Metropolen Bad Cannstatt und Bad Wimpfen kreisten.

 

Den Einflussbereich jener Vici, also kleinstädtisch geprägter Mittelpunktsorte, wie sie aus Güglingen, aber auch aus Ottmarsheim und seit dem letzten Jahrzehnt aus Talheim vorliegen, konnte der Referent dabei plastisch skizzieren.

Für das Zabergäu etwa legte Merkle schlüssig dar, welche Rolle beispielsweise Lauffen am Neckar für die Vici von Talheim und Ottmarsheim als auch für Handel und Verkehr an Neckar und Zaber gespielt haben muss.

 

Vortrag Buchpräsentation Merkle

 

Einen weiteren Vicus vermutet der Autor in Bietigheim, nicht nur gestützt durch die prädestinierte Lage an Metter und Enz sowie die darüber bestehende Anbindung des römischen Pforzheim (dessen Name treffenderweise Portus, also "Hafen" lautete), sondern auch durch den Nachweis eines „collegium Matisonensium“ (Jungmännervereins der Metteranwohner).

 

Abgerundet wurde der Vortrag durch eine Betrachtung der herausgehobenen ländlichen Villen im Nahbereich, wie jener von Frauenzimmern, Kirchheim am Neckar, Großsachsenheim und Löchgau-Weißenhof, die sich aufgrund eindeutiger Kriterien der absolut höchsten römischen Oberschicht zuordnen lassen und deren Ausprägung und räumliche Dichte wiederum weitere spannende Vermutungen aufdrängen.

 


 

Bezogen werden kann das Buch zum Preis von 16,- € u.a. direkt beim Autor unter www.frank-merkle.de.

Wieder geöffnet!

Museum wieder geöffnet

Seit dem 26. Mai 2021 ist das Römermuseum wieder zu den normalen Öffnungszeiten geöffnet.

Aktuell (ab dem 16.8.2021) gelten folgende Bestimmungen:

 

  • eine Voranmeldung des Besuchs ist nicht notwendig
  • die Kontaktdatenerhebung ist obligatorisch
  • die gleichzeitig erlaubte Besucherzahl bei uns ist grundsätzlich nicht begrenzt, sie sollte jedoch nach Größe der Einrichtung verantwortbar sein

  • 3-G-Regel für den Zutritt erforderlich:

● die Besucher müssen einen gültigen Geimpften- oder Genesenen-Nachweis für die jeweilige Person vorlegen

oder

● einen negativen Test-Nachweis für die jeweilige Person (Antigen-Schnelltest: max. 24 Stunden alt, PCR-Test: max. 48 Stunden alt)

● als generell getestet gelten:

Kinder unter 6 Jahren, noch nicht schulpflichtige Kinder sowie Schüler, die ihren Status durch ein entsprechendes Ausweisdokument glaubhaft machen können

 

Weiterhin orientiert sich das Hygienekonzept an den aktuell geltenden Vorschriften (Handdesinfektion, Abstandsregel, Tragen von geeignetem Mund-/Nasen-Schutz).

 


 

Buchungen für geführte Gruppen sind jederzeit möglich. Unser Veranstaltungsprogramm findet seit dem 20.6. wieder regulär statt.

 

Darüber hinaus gibt es auch die Möglichkeit, die Dauerausstellung mit übergeordneten Informationen selbst zu begehen:

So verfügt das Römermuseum über einen dreisprachigen Audioguide in Deutsch, Englisch und Französisch und je nach Sprache kann man sich Informationen mit einer Gesamtspielzeit von ca. 35-45 Minuten anhören.

Dass dieser Audioguide nicht hardwarebasiert ist, erweist sich gerade jetzt von Vorteil und daher der Tipp: Das eigene Smartphone mitbringen – es ist nur eine Internetverbindung und eine gängige QR-Code-Reader-App notwendig.

Vortrag lieferte gründliche Einordnung des Werks von Heinz Rall als Kirchenbauer

Vortrag lieferte gründliche Einordnung des Werks von Heinz Rall als Kirchenbauer

Am 24. Juli 2021 war Reinhard Lambert Auer, der im vorangegangenen Jahr in Ruhestand getretene langjährige Kunstbeauftragte der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, zu Gast im Ratshöfle.

In seiner Begrüßung brachte Museumsleiter Enrico De Gennaro seine Freude zum Ausdruck, dass es trotz der langanhaltenden Unmöglichkeit von Veranstaltungen nun doch noch gelang, mit diesem ursprünglich für Februar angesetzten Begleitvortrag zur Ausstellung etwas eingehender in das Thema Kirchenbau und Heinz Rall einsteigen und auch hiermit quasi das "Werk im Werk" unter der Glaspyramide präsentieren zu können.

 

Heinz Rall Kirchenbauten Sonderausstellung

 

Im Rahmen seines Vortrages schilderte Auer nicht nur das sakralbauliche Werk Heinz Ralls anhand markanter Beispiele, sondern verstand es auch, dessen architektonisches Wirken grundlegend einzuordnen: Angefangen vom Aufbau der frühesten christlichen Versammlungsräume skizzierte er die Entwicklung von Kirchenbauten durch die Zeiten, um den Zuhörern schließlich den in der protestantischen Kirche seit dem 16. Jahrhundert immer wieder unter anderen Aspekten geführten kirchenbauerischen Diskurs über Aufbau, Gliederung und Funktion von Kirchenräumen näherzubringen – ein Spannungsfeld, in dem Heinz Rall mit all seinen Bauten agierte, wie an ihrer Verschiedenheit sichtbar wird.

 

Heinz Rall Kirchenbauten Sonderausstellung

Die Pauluskirche in Stuttgart-West: Sie ist der einzige eher traditionell wirkende dreischiffige Saalbau von Heinz Rall – wohl eine Remineszenz an die im Krieg bis auf den Turm zerstörte Vorgängerkirche, in welcher er getauft und konfirmiert wurde.

 

Dass Rall viele Grundkonzepte wie etwa das Pentagon oder die Zeltform zwar nicht selbst erfunden hat, aber sie entscheidend weiterzuentwickeln verstand – insbesondere auch angepasst an den jeweiligen Standort und die damit zusammenhängenden Erfordernisse und jeweiligen Wünsche der Gemeinden – wurde dabei ebenso deutlich wie, wie intensiv er sich mit der Lichtführung und den Materialien hinsichtlich der Wirkung in den Gottesdiensträumen und der Verkündigung des Wortes auseinandersetzte.

 

Heinz Rall Kirchenbauten Sonderausstellung

Versöhnungskirche Leonberg-Ramtel: Der Altartisch wurde eigens von Rall als bewegliches Mobiliar entworfen und steht bodeneben auf dem Fußboden, welcher aus wiederverwendeten Betonplatten der einstigen Reichsautobahn besteht. Die raumgreifende Stahlskulptur einer Dornenkrone stammt vom Stuttgarter Bildhauer Hans-Peter Fitz, der beispielsweise auch den Fritz-Faller-Brunnen im Mittleren Schlossgarten in Stuttgart gestaltete. 

 

Das besondere Augenmerk des Architekten galt in dieser Hinsicht auch der künstlerischen Ausstattung der Kirchen, die er stets in einem individuellen, intensiven Zusammenspiel sah und nicht etwa als austauschbare, bloße "Sakraldekoration", so Auer. Mit sicherem Gespür gelang es ihm dabei, junge Künstler für deren Realisierung zu gewinnen, die erst später oftmals zu größerer Geltung aufstrebten.

Nicht zuletzt wurde vergegenwärtigt, mit welcher Innovationskraft und kreativer Freude Rall es verstand, im Rahmen des seinerzeit technisch überhaupt Möglichen, architektonisch mit Formen zu spielen.

 

Heinz Rall Kirchenbauten Sonderausstellung

Innovativ: Die Kreuzkirche in Ludwigsburg – im Grundriss ein Fünfeck, die Dachflächen sind jedoch dem entgegen verkippte Dreiecke.

 

Erhellend war sicherlich auch, dass Rall bei den allermeisten realisierten Projekten teils aus über 100 Wettbewerbern mit seinen Entwürfen als Sieger hervorging und er es, trotz einzelner Direktbeauftragungen wie beispielsweise in Leonberg-Ramtel, keineswegs über gut funktionierende Connections zum produktivsten Kirchenbauer der Nachkriegszeit in Württemberg brachte. Darüber hinaus konnte er einzelne Kirchenbauten etwa in Kassel, Osnabrück und Österreich realisieren.

 

Heinz Rall Kirchenbauten Sonderausstellung

 

Während sich die Kirchen heute gravierend dem Spannungsfeld von Auflassung und Umnutzung ihrer mittlerweile zu zahlreich gewordenen Bauten ausgesetzt sehen, war Rall's Denkweise in dieser Hinsicht seiner Zeit schon um Jahrzehnte weit voraus, indem er häufig funktionsübergreifende Aspekte in den Mittelpunkt seiner Überlegungen stellte: Hervorragende Beispiele dafür sind etwa der Umbau der Güglinger Mauritiuskirche oder der Dreifaltigkeitskirche in Leutkirch/Allgäu, welcher Auer einen regelrechten multifunktionalen "Stadthallencharakter" attestierte. Diese Fortschrittlichkeit sei einer der Hauptgründe dafür, dass Ralls Kirchen mehrheitlich eine ausgezeichnete Akzeptanz in ihren betreffenden Gemeinden fänden, wie der aus Sindelfingen stammende und gewissermaßen auch in einer Rall-Kirche groß gewordene Vortragende aus seiner langjährigen beruflichen Tätigkeit selbst mitzuteilen wusste.

Führungsprogramm 2021

Führungsprogramm 2021

Neben unserem unseren regelmäßigen Öffentlichen Führungen (am 1. Sonntag des Monats) und Familienführungen (am 3. Sonntag des Monats) werden verschiedene Sonderführungen eine Reihe von Themen in der Dauerausstellung beleuchten.
 

 

Die Termine im Überblick:

 

Öffentliche Führungen:

(jeden 1. Sonntag im Monat um 15 Uhr)

3.1., 7.2., 7.3.,

4.4., 2.5., 6.6.,

4.7., 1.8., 5.9.,

3.10., 7.11., 5.12.2021

 

Familienführungen:

(jeden 3. Sonntag im Monat um 15 Uhr)

17.1., 21.2., 21.3.,

18.4., 16.5., 20.6.,

18.7., 15.8., 19.9.,

17.10., 21.11., 19.12.2021

 

 

Alma-Tadema Roses of HeliogabalusAls Elagabal römischer Kaiser war – eine Zeitreise 1800 Jahre zurück ins Jahr 221 n. Chr.

Wie gestaltete sich das Leben im Imperium vor genau 1800 Jahren? Der Niedergang wird in Rom bereits deutlich spürbar, doch die Provinz hat er noch nicht erreicht und diese erfreut sich weiterhin einer Blütezeit.

Insbesondere unter Kaiser Elagabal (218-222 n. Chr.) erreichte die Dekadenz und Lasterhaftigkeit in Rom einen Höhepunkt. Migration war ein großes und heiß diskutiertes Thema, damals wie heute: Einen regelrechten „Culture Clash“ verursachten die tiefgreifenden orientalischen und syrischen Einflüsse, die Elagabal nach Rom brachte und welche auf massive Ablehnung beim konservativen Römertum stießen.

Darüber hinaus beschäftigten die Menschen damals auch genauso Themen wie die Umweltproblematik oder die ökonomische Krise und Inflation.

Themenführung mit Frank Merkle M.A.

Termin: Sonntag, 27.6.2021, 11 Uhr und 15 Uhr

Dauer: ca. 90 Minuten

Kosten: 4,- € p.P. zzgl. erm. Eintritt (Museums-PASS-Musées-Inhaber: gratis)

 

 

Holzpfosten Streifenhaus Fachwerk„Lignum – Holz“

Die Bedeutung und Nutzung von Holz war in römischer Zeit allgegenwärtig und es war einer der wichtigsten Rohstoffe vor 1800 Jahren. Seine Verwendung war äußerst vielfältig – ob als Werkstoff, Baustoff oder Brennstoff.

Die große Rolle, die das Holz in vielen Bereichen der Zivilisation und Kultur der Römerzeit abdeckte, wird dem Besucher an vielen verschiedenen Beispielen eindrucksvoll vor Augen geführt.

Themenführung mit Museumsleiter Enrico De Gennaro M.A.

Termin: Sonntag, 11.7.2021 um 11:00 Uhr und 15:00 Uhr

Dauer: ca. 90 Minuten

Kosten: 4,- € p.P. zzgl. erm. Eintritt (Museums-PASS-Musées-Inhaber: gratis)

 

 

Terminverschiebung (vom 13.6.):

Vicus von GüglingenCXXI 1900 Jahre (römisches) Güglingen

Der Vicus von Güglingen wird in diesem Jahr 1900 Jahre alt. Seine Entstehung kann recht genau datiert werden – u.a. durch eine prägefrische Münze, die als Bauopfer in Mithräum II vermauert wurde. Sein Ende hingegen ist nicht so gut fassbar und liegt noch etwas im Nebel der Geschichte. Möglicherweise sorgten die Germanen-Einfälle unter Kaiser Severus Alexander bereits im Jahr 233 dafür, dass man die Siedlungstätigkeit hier sukzessive aufgab.

Die Führung wirft anlässlich des runden „Jubiläums“ einen Blick auf das Werden und Bestehen dieses kleinstädtisch geprägten Mittelpunktsortes im Zabergäu als auch auf sein Umfeld und die wichtige Rolle, die er für Handel und Verkehr zwischen Neckar und Rhein spielte.

Themenführung mit Frank Merkle M.A.

Termin: Sonntag, 22.8.2021 um 11:00 Uhr und 15:00 Uhr

Dauer: ca. 90 Minuten

Kosten: 4,- € p.P. zzgl. erm. Eintritt (Museums-PASS-Musées-Inhaber: gratis)

 

 

Kellernische„Lapis – Stein“

Mit der römischen Besiedlung hielt der Steinbau bei uns Einzug, wenn auch nur für vergleichsweise kurze Zeit. Die fachgerechte Nutzung dieses Rohmaterials strahlte in verschiedenste Bereiche aus: So diente Stein nicht nur als Baustoff, sondern auch als Material für Gebrauchsgegenstände und Schmuck.

Nicht zuletzt war seine Bedeutung in der religiösen Plastik von immensem Stellenwert, der in Güglingen als der götterbildreichsten römischen Siedlung Baden-Württembergs besonders offenkundig wird.

Themenführung mit Museumsleiter Enrico De Gennaro M.A.

Termin: Sonntag, 12.9.2021 um 11:00 Uhr und 15:00 Uhr

Dauer: ca. 90 Minuten

Kosten: 4,- € p.P. zzgl. erm. Eintritt (Museums-PASS-Musées-Inhaber: gratis)

 

 

Terminverschiebung (vom 12.2.):

Römische SiedlungslandschaftRömische Vici im Neckarland und die Infrastruktur im Mittleren Neckarraum

Das römische Güglingen ist bis heute der größte ausgegrabene Ausschnitt eines zivilen ländlichen Vicus in Deutschland. Mittlerweile wurde dieser Siedlungstyp auch andernorts ausfindig gemacht, wie beispielsweise in Talheim und Besigheim-Ottmarsheim, wo ein weiteres Mithras-Heiligtum existiert. Der Vortrag behandelt diese Siedlungen im Mittleren Neckarraum, ihre infrastrukturelle Interaktion mit dem jeweiligen Umland und geht auch der Frage nach, ob wir in Bietigheim und Lauffen weitere Vici zu vermuten haben.

Daneben werden die herausragenden römischen Villen thematisiert – mit Frauenzimmern und Kirchheim die zwei ganz besonderen im Zabergäu, darüber hinaus auch jene vom Weißenhof, von Bietigheim, Großbottwar und Mundelsheim.

In diesem Rahmen wird der neu erschienene Band 36 der „Besigheimer Geschichtsblätter“ vorgestellt, der sich vollständig dem Thema „Das römische Ottmarsheim und seine Einbettung in die römische Infrastruktur zwischen Benningen, Böckingen, Güglingen und Großbottwar“ widmet.

Vortrag von Frank Merkle M.A. in Zusammenarbeit mit dem Geschichtsverein Besigheim

Termin: Freitag, 17.9.2021 um 19:00 Uhr

Ort: Römermuseum, Heinz-Rall-Saal

Kosten: 8,- € p.P. (Museums-PASS-Musées-Inhaber: gratis)

 

 

Hypatia Raffael

Hypatia – Antike Philosophin und Galionsfigur der modernen Frauenbewegung:

Kontroversen in der antiken Astronomie und Hintergründe ihrer Ermordung

Hypatia gilt als die letzte bedeutende Philosophin der heidnischen Antike. Da von ihrem Werk kaum etwas erhalten ist, ist sie vor allem durch die Umstände ihrer grausamen Ermordung durch einen christlichen Mob im ägyptischen Alexandria in Erinnerung geblieben.

Als das Christentum gegen Ende des 4. Jahrhunderts zur alleinigen Staatsreligion im römischen Reich erklärt wurde, setzte eine Welle von Heidenverfolgungen ein. Weil im Heidentum Philosophie und die alten Kulte untrennbar miteinander verbunden waren, gerieten in diesem Zusammenhang vor allem die Vertreter der Wissenschaft in Bedrängnis.

Als vielleicht prominentestes Opfer der wissenschaftsfeindlichen intoleranten Welle von Gewalt unter dem Deckmantel des Christentums kann Hypatia betrachtet werden. Von Zeitgenossen als bedeutendste Mathematikerin um 400 n. Chr. anerkannt, war ihr Verhängnis nicht nur ihr Festhalten am Heidentum, sondern auch, dass sie sich in einem patriarchalisch ausgerichteten christlichen Umfeld traute, als Frau in Alexandria Philosophie zu unterrichten, weshalb sie oft auch als eine der Galionsfiguren der Frauenbewegung betrachtet wird.

Neben den Umständen, die zum Mord an Hypatia führten, sollen auch die Erkenntnisse und Kontroversen in der antiken Astronomie, einem Forschungsgebiet dieser bedeutendsten Frau im Wissenschaftsbetrieb der Antike, beleuchtet werden.

Vortrag von Frank Merkle M.A., Althistoriker und Germanist

Termin: Freitag, 22.10.2021, 19 Uhr

Ort: Römermuseum, Caféteria

Kosten: 8,- € p.P. (Museums-PASS-Musées-Inhaber gratis)

 

 

Terminverschiebung (vom 25.4.): 

Altar Proserpina Persephone„Terra – Erde“

In römischer Zeit gewann man aus der Erde vieles: Sei es der Lehm für den Bau von Fachwerkhäusern, Ton für die Herstellung von Ziegeln sowie für die Töpferei und Keramikherstellung, deren Massenproduktion teilweise beachtliche und regelrecht vorindustrielle Ausmaße erreichte.

Im religiösen Zusammenhang kreisen um den Bezug zur Erde nicht zuletzt auch zahlreiche Gottheiten, die beispielsweise mit der Fruchtbarkeit eng in Verbindung stehen.

Themenführung mit Museumsleiter Enrico De Gennaro M.A.

Termin: Sonntag, 14.11.2021 um 11:00 Uhr und 15:00 Uhr

Dauer: ca. 90 Minuten

Kosten: 4,- € p.P. zzgl. erm. Eintritt (Museums-PASS-Musées-Inhaber: gratis)

 

 

Modell Töpferofen„Ignis – Feuer“

Das Feuer war ein essentielles Element, das in den verschiedensten Lebensbereichen einen tragenden Stellenwert einnahm – sei es das Herdfeuer im privaten Heim, das Feuer im Gebrauch bei verschiedensten Handwerkszweigen, bei der Begräbnissitte oder die große Bedeutung des Feuers im religiösen Kontext.

Nicht zuletzt wird auch seine zerstörerische Kraft eine Rolle spielen bei dieser Führung, die sich in vielfältiger Weise auf die Spur des Feuers begibt.

Themenführung mit Museumsleiter Enrico De Gennaro M.A.

Termin: Sonntag, 28.11.2021 um 11:00 Uhr und 15:00 Uhr

Dauer: ca. 90 Minuten

Kosten: 4,- € p.P. zzgl. erm. Eintritt (Museums-PASS-Musées-Inhaber: gratis)

 


 

Infos zu den einzelnen Veranstaltungen finden Sie auch >> Hier  in unserem Führungsfaltblatt.

Ein massiv goldener Gemmenring mit Mars-Ultor-Darstellung

Ein massiv goldener Gemmenring mit Mars-Ultor-Darstellung

 

Ein Kindheitstraum geht in Erfüllung

 

War es nur ein ausgebuffter Pädagogentrick, zwei kleine Güglinger Buben zu Aufenthalt und Aktivität in der Natur anzuregen, indem man bei ihnen das Interesse für Geschichte und die Römer weckte und in ihnen die Hoffnung schürte, einmal draußen auf dem Acker einen richtigen Schatz zu finden?

Wahrscheinlich eher nicht, denn vor fünfzig Jahren waren alle elektronischen Ablenkungen noch fern, die junge Heranwachsende in ihrer Freizeit kein Sonnenlicht mehr sehen ließen. Während es für andere Jungen das Größte war, im Wald ein Lägerle zu bauen, stöberten Andreas Reegen und Ulrich Peter also entsprechend motiviert über die Feldflur und insbesondere über die Güglinger „Steinäcker“.

 

Bei den gemeinsamen Begehungen wurde von den zwei Munteren regelmäßig viel Terra Sigillata und sonstige Keramik angetroffen.

Im Jahr 1970 stieß Andreas Reegen dann allerdings auf einen goldenen Fingerring, in dessen Fassung sich noch eine rote Gemme befand. Er zog den Ring einem Fingerknöchel ab, den er jedoch liegenließ. Der Traum eines jeden Kindes, einmal im Leben einen Schatz zu finden, ging so für den kleinen Andy in Erfüllung.  

 

Im August 2020 stellte Andreas Reegen nun den Gemmenring dem Römermuseum als Dauerleihgabe zur Verfügung, wo er fortan im Ausstellungsbereich zum Bestattungswesen gezeigt wird.

 

Gemme römisch Fingerring Gold Schmuck Mars

 

Im Nachfolgenden die Bestimmung des Stückes von Museumsleiter Enrico De Gennaro:

 

Ein Goldfingerring mit Mars-Ultor-Gemme

 

Der Ring besteht aus massivem Gold, seine Gesamthöhe einschließlich der Gemme beträgt 16 mm. Der Innendurchmesser des Ringes variiert zwischen 18 und 19 mm und die Ringschenkel besitzen kleinere Einschnürungen mit einer leicht ovalen Verdickung unterhalb der gestalteten Ringschultern. Auffallend am Stück ist, dass die Ringschenkel nicht mehr vollständig rund sind, sondern durch mehrere Kniffe eine Verengung des ursprünglichen Innendurchmessers herbeigeführt wurde. Somit kann es als wahrscheinlich gelten, dass ein Zweitträger, dem der Ring etwas zu groß war, ihn für sich auf diese Weise enger gemacht hat.

Die abgesenkten Ringschultern dehnen sich zum Ansatz des Ringkopfes bzw. der Lünette hin aus und sind mit dreigliedrigen, durch Rinnen getrennten und seitlich mit einer Einschnürung geschwungen auslaufenden Blattranken gestaltet.

Der Ring zeigt nur leichte Gebrauchsspuren, die sich vornehmlich auf den breitflächigen Partien der Ringschultern konzentrieren.

 

Gemme römisch Fingerring Gold Schmuck Mars

 

Die ovale Gemme mit breitem Schrägrand ist ein orangeroter, transparenter Karneol. Sie sitzt in einer niedrigen bis mittelhohen Kastenfassung auf dem Kopf des Goldringes, die um den Stein herum mehrfach leicht polygonal facettiert ist.

Auf der Gemme ist Mars stehend nach rechts dargestellt. Sein linkes Bein ist vorgelagert, während das rechte als Spielbein dient. Mitsamt der ebenfalls vorgerückten linken Hüfte und dem insgesamt mit den Schultern zurückgezogenen Oberkörper wirkt seine Körperhaltung außerordentlich geschwungen.

Auf dem Haupt trägt Mars einen Helm mit Helmzier, die aus in fünf zackenförmigen Strahlen auslaufenden Rippen besteht. In der erhobenen Linken, die bis zum Gemmenrand reicht, ist noch der Ansatz eines stabförmigen Gegenstandes erkennbar, den Mars hält. Sein gesenkter rechter Arm lagert auf dem Rand seines auf dem Boden stehenden Schildes, wobei sein um den rechten Unterarm gewundener Mantel bis auf den Schild herabfällt.

In der Vergrößerung ist erkennbar, dass Mars zwar bekleidet dargestellt ist, doch wurden aufgrund der Begrenztheit der Fläche als auch der gestalterischen Mittel hier keine näheren Details erkennbar realisiert.  

Insgesamt handelt es sich um eine feine, detailreiche Arbeit; das Motiv weist keine bis nur eine mäßig matte Innenpolitur auf.

 

Gemme römisch Fingerring Gold Schmuck Mars

 

Die Darstellung folgt einem Darstellungstypus, der auf das Kultbild des Mars-Ultor-Tempels in Rom zurückgeht, welcher von Augustus errichtet wurde. Hierbei ist Mars in einem Panzer mit Pteryges gekleidet dargestellt, auf dem Haupt trägt er einen korinthischen Helm. In der erhobenen Rechten hält er seine Lanze, während seine Linke auf dem oberen Rand des neben dem linken Fuß abgestellten Schildes ruht, über den sein Mantel, von der rechten Schulter ausgehend und über den Rücken verlaufend, gewunden herabfällt.

 

Mars Ultor Getty Bronzestatuette

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bronzestatuette von Mars Ultor.

The J. Paul Getty Museum, Villa Collection, Malibu, Kalifornien, Schenkung von Barbara und Lawrence Fleischman, Inv.-Nr. 96.AB.194.

Foto: J. Paul Getty Museum (Open Content Program).

 

Mögliche Einordnung in einen Befundkontext

 

Ob der überlieferte Fundhergang auf eine Bestattung hindeutet, lässt sich heute nicht mehr eindeutig beurteilen. So muss den Schilderungen nach eine Körperbestattung vorgelegen haben. Ob sie tatsächlich in römische Zeit datieren könnte, ist ebenfalls nicht abschließend zu klären, zumal sich die Fundstelle mitten in der römischen Siedlung befindet. Doch nicht allzu selten treten beispielsweise auch in frühmittelalterlichen Gräbern einzelne Antiquitäten in Form von Grabbeigaben und Trachtbestandteilen auf, die als Pretiosen oder Mirabilien selbst aufgefunden und für aufbewahrenswert erachtet wurden.

 

Gemme römisch Fingerring Gold Schmuck Mars

 

Vermutungen zum ursprünglichen Träger

 

Der einstige römische Träger des Rings hat das Motiv der Gemme sicherlich nicht zufällig gewählt, zumal in römischer Zeit der Männerschmuck häufig nur auf wenige Stücke, oftmals nur auf einen einzigen Ring, beschränkt war.

Die Verehrung von Mars, der vordergründig in altrömischer Zeit zwar als Ackergott fungierte, aber alsbald fast ausschließliche Bedeutung als Kriegsgott gewann, ist bislang nicht im Güglinger Vicus nachgewiesen. So konzentriert sich die Mars-Verehrung natürlicherweise besonders stark auf die Militärstandorte, was insbesondere an den überlieferten Steindenkmälern und Weihungen deutlich wird. Wie nun der Ring mit der Mars-Darstellung seinen Träger in einer zivilen ländlichen Siedlung fand, lässt sich somit am Naheliegendsten über einen persönlichen Bezug zum Militär vermuten: So könnte er möglicherweise ein Veteran gewesen sein, denn ganz unvermögend war er mit Sicherheit nicht, wenn er sich solch ein exzeptionelles Einzelstück, das eine Einzelanfertigung oder gar eine Auftragsarbeit gewesen sein muss, leisten konnte. Gegebenenfalls ließe sich auch ein anderweitiger Bezug zum Militär vermuten, wie beispielsweise im Hinblick auf eine intensive Handelstätigkeit.

Nicht auszuschließen ist jedoch generell auch, dass der Ring verschiedene bzw. mindestens zwei Träger während seiner Zeit als Fingerschmuck durchlaufen hat: Das wird am Offenkundigsten daran, dass der Ring einem der nachfolgenden Träger zu groß war und er diesen mittels mehrerer Kniffe bzw. Stauchungen für seine Bedürfnisse enger gemacht hat. 

Die römische Palastvilla von Frauenzimmern im Modell

Die römische Palastvilla von Frauenzimmern im Modell

 

Die römische Palastvilla von Frauenzimmern:

Eine herausragende Anlage jetzt auch im Modell

 

>> Diaschau starten

 

Dass die in den Jahren 1991/92 in den Frauenzimmerner „Steinäckern“ ausgegrabene römische Villa ganz und gar nicht dem entsprach, was sich sonst in Baden-Württemberg finden lässt, stand schon frühzeitig fest: Ihr Besitzer, der mit Sicherheit wohlhabendste Mann im weiten Umland, stellte mit ihr das Ideal der „Romanitas“, des Römischseins, zur Schau. Dazu gehörte nicht nur der reine wirtschaftliche Erfolg, sondern vor allem auch das Streben nach Kultur und Bildung. Dies dokumentierte er eindrücklich mit Reliefs, die an einem 90 qm großen Wasserbecken angebracht waren – sie zeigten Szenen aus der „Odyssee“ des Epen-Dichters Homer  und waren nördlich der Alpen einzigartig. 

 

 

Und auch für die rein architektonische Gestaltung seiner Villenanlage folgte der Gutsherr einem Vorbild, für das es rechts des Rheins so gut wie keine Beispiele gibt: Es war eine Villa urbana, eine palastartige Anlage. Deren Areal war zweigeteilt in einen reinen Wirtschaftsteil und einen Wohnteil mit enormen Baukörpern, die sich um einen zentralen Innenhof gruppierten. Der größte Teil der Fläche war hier jedoch unbebaut und mit ausgedehnten Garten- und Parkanlagen gestaltet, die der reinen Erbauung dienten.

 

 

Rechtzeitig zum Ortsjubiläum „1225 Jahre Frauenzimmern“, das in diesem Jahr stattfindet, konnte nun vom Römermuseum nach jahrelanger Arbeit ein eindrückliches Modell der herrschaftlichen Anlage fertiggestellt werden.

Aufgrund der schieren Größe des darzustellenden (bislang ausgegrabenen) Teils der Anlage, der im Original 2,5 Hektar Fläche hat, wählte man den Modellbahnmaßstab Z (1:220), um es überhaupt noch in der räumlich kompakten Dauerausstellung des Römermuseums präsentieren zu können.

 

 

Am Anfang des Modells stand ein langer Prozess, in dem durch Museumsleiter Enrico De Gennaro ein hochgradig detailliertes 3-D-Modell der Baukörper am Computer erstellt wurde. In diesem Zuge erfolgte nicht nur eine akribische Analyse der Grundrisse, sondern auch eine fundierte Rekonstruktion von Aspekten wie der Geschossigkeit, Firstausrichtung, Zugangssituationen und vielem mehr.

Im Anschluss wurde das Modell von einer Spezialfirma direkt farbig 3-D-gedruckt mit einer Genauigkeit von 0,014 mm – am Limit des überhaupt technisch Machbaren.

 

 

Nachfolgend widmete man sich der Rekonstruktion der Garten- und Parkanlagen: Obwohl die Rekonstruktion der Parkanlagen natürlich hypothetisch ist, fußt sie auf zahlreichen Vergleichen und Beschreibungen. Allein aus der Konstruktion der Anlage ergeben sich Blick- und Begehungsachsen, die sich natürlich auch in der Gestaltung des Gartenkonzepts widerspiegelten.

 

 

Dass man Ziergärten nicht als etwas eigentlich Nutzloses ansah, in was nur viel Arbeit und Geld investiert werden muss, ist der römischen Landschaftsauffassung und -ästhetik zuzuschreiben. Die Entwicklung hin zu den Park- und Gartenanlagen des Barock wäre ohne diese römischen Wurzeln genauso undenkbar wie der Garten- und Landschaftsbau an sich.

 

 

Eine große Rolle in der römischen Ästhetik spielten Achsialität, Symmetrie, Fluchtpunkte und immer wieder bewegtes Wasser. Beim Blick aus den Fenstern und aus den Häusern begriff man die gestaltete Natur als gerahmtes Gemälde. Selbst was man als Wildnis darstellte, war eine gestaltete Wildnis, die einem Ideal folgte. Zahlreiche Elemente finden sich auch in schriftlichen Quellen wieder, etwa, dass in Eingangsbereichen und Innenhöfen rote und weiße Rosen in hohem Ansehen standen, in weitläufigen Bereichen erfreute man sich beispielsweise an ausgedehnten Irisrabatten. Weite Teile der römischen Parkanlagen waren von Zierrasen und niederen Buchsbaumhecken geprägt; Bäume und Büsche dienten nicht nur als alleenartige Wegbegleiter, sondern sie sorgten auch im Inneren der Wegezonierung für eine ästhetische Dramaturgie – je nachdem, wie sich der Betrachter durch den Park bewegte.

Daneben gab es in der Konzeption der Anlage sicherlich auch kleinere Nutzbereiche, wie Obst-, Gemüse- und Kräutergärten, die sich näher am Versorgungstrakt der Villa befanden. Diese könnten etwa mit höheren Hecken voneinander und vom Rest der reinen Zierbereiche optisch ausgeblendet worden sein.