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Mithräum I zu neuem Leben erweckt

Mithräum I zu neuem Leben erweckt

Eine kleine, aber umso bedeutsamere Sache ist in Güglingen für die Öffentlichkeit freigegeben worden. Im Bereich der römischen Fundlandschaft wird der Grundriss des dort entdeckten Mithräums mit Granit-Steinen dargestellt. Damit dokumentiert man gleichzeitig den „Einstieg“ in die Freilichtanlage und erläutert an einer Tafel die Bedeutung der Kultstätte aus römischer Zeit.

 

Bei Notgrabungen hat der ehrenamtliche Archäologe Walter Joachim aus Stuttgart die Reste des Mithras-Tempels entdeckt. „Es war eine schwierige Arbeit. Anfangs fanden wir nur Schutthaufen – und dann Mauerreste“, erinnerte er sich an die ersten Grabungen anno 1999. Professor Planck als Leiter des Landesdenkmalamtes hatte dann bei einem Blitzbesuch schnell erkannt, dass es sich hier nicht um ein normales Haus, sondern um einen Mithras-Tempel handelte. Dass bei den Ausgrabungen ab 2002 ein weiteres Mithräum entdeckt worden ist, hat die Fachwelt noch mehr ins Staunen versetzt.

 

Enrico De Gennaro als Leiter des Römermuseums im Alten Rathaus und kreativer Kopf bei der Gestaltung der Freilichtanlagen im Gewann „Ochsenwiesen-Steinäcker“ stellte die großen Verdienste des „Entdeckers“ heraus, die gewissermaßen den Auftakt zur großflächigen Grabung auf 4,5 Hektar bildeten. Die Flächengrabungen wurden im Jahr 2005 vorläufig abgeschlossen, haben die Wissenschaftler aufhorchen lassen. Letztlich konnten unzählige Funde gesichert werden. Über 1500 davon sind seit April 2008 im eigens geschaffenen Römermuseum am Marktplatz ausgestellt.

 

De Gennaro entwickelte zusammen mit Uli Peter vom Zabergäuverein die Idee, dem Mithräum gewissermaßen posthum ein Denkmal zu setzen. Nur drei Monate vergingen bis zur Verwirklichung. Mitarbeiter vom städtischen Bauhof haben die Arbeiten ausgeführt. Jetzt kann man im Vorgarten der Firma Pfanzler an der Emil-Weber-Straße die Dimension der Kultstätte erkennen, die mit 17 Metern Länge und 8 Metern Breite als Steinbau in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung errichtet worden ist.

 

Als Familie Pfanzler als Grundstückseigentümer gefragt wurde, ob sie damit einverstanden wäre, den Grundriss des Mithräums in ihrem Areal einzubauen und mit einer Schrifttafel kenntlich zu machen, musste man nicht zweimal bitten. Über diese Unterstützung freuten sich die Ideengeber samt Bürgermeister.

 

Bei den Ausgrabungen hat man zwei Bauphasen nachweisen können. Mauerfugen waren repräsentativ mit rotem Fugenstrich ausgestaltet. Funde weisen auch darauf hin, dass die Innenwände des Raumes bemalt waren. Ein steinerner Sockel für das zentrale Kultbild, drei kleine Gefäßdepots, Bruchstücke von Trinkgefäßen, Bechern und Öllampen wurden ebenfalls gesichert.

 

Bürgermeister Klaus Dieterich freute sich nicht nur über die Idee und deren Umsetzung, sondern auch über die Spende von Uli Peter zur Her- und Aufstellung des Informationsschildes. „Wir wollen das Thema attraktiv halten“ merkte das Stadtoberhaupt weiter an. Grund genug dazu ist gegeben, denn bei der weiteren Ausgestaltung der Freilichtanlage (unter anderem soll die Betonwand des Bauhofs mit römischen Panoramen gestaltet werden) zeichnet sich ab, dass auch hier Unterstützung von privater Seite zugesichert ist.

 

„Wir haben jetzt einen idealen Einstieg für den Pilgerpfad, der von der Emil-Weber-Straße zur Freilichtanlage führt“, schwärmte Enrico De Gennaro. Dass man mit Entdeckungen noch nicht fertig ist, wurde von ihm weiter angedeutet. Man vermutet, dass sich die gesamte Siedlungsfläche auf rund 10 Hektar erstreckt. Jetzt aber freue man sich erst einmal darüber, “dass die sieben Weihestufen zwischen Mithräum I und II vom Raben bis zum Pater des beschilderten Pilgerpfades von Besuchern erschlossen werden können.“

 

Text: Roland Baumann