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Die römische Palastvilla von Frauenzimmern im Modell

Die römische Palastvilla von Frauenzimmern im Modell

 

Die römische Palastvilla von Frauenzimmern:

Eine herausragende Anlage jetzt auch im Modell

 

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Dass die in den Jahren 1991/92 in den Frauenzimmerner „Steinäckern“ ausgegrabene römische Villa ganz und gar nicht dem entsprach, was sich sonst in Baden-Württemberg finden lässt, stand schon frühzeitig fest: Ihr Besitzer, der mit Sicherheit wohlhabendste Mann im weiten Umland, stellte mit ihr das Ideal der „Romanitas“, des Römischseins, zur Schau. Dazu gehörte nicht nur der reine wirtschaftliche Erfolg, sondern vor allem auch das Streben nach Kultur und Bildung. Dies dokumentierte er eindrücklich mit Reliefs, die an einem 90 qm großen Wasserbecken angebracht waren – sie zeigten Szenen aus der „Odyssee“ des Epen-Dichters Homer  und waren nördlich der Alpen einzigartig. 

 

 

Und auch für die rein architektonische Gestaltung seiner Villenanlage folgte der Gutsherr einem Vorbild, für das es rechts des Rheins so gut wie keine Beispiele gibt: Es war eine Villa urbana, eine palastartige Anlage. Deren Areal war zweigeteilt in einen reinen Wirtschaftsteil und einen Wohnteil mit enormen Baukörpern, die sich um einen zentralen Innenhof gruppierten. Der größte Teil der Fläche war hier jedoch unbebaut und mit ausgedehnten Garten- und Parkanlagen gestaltet, die der reinen Erbauung dienten.

 

 

Rechtzeitig zum Ortsjubiläum „1225 Jahre Frauenzimmern“, das in diesem Jahr stattfindet, konnte nun vom Römermuseum nach jahrelanger Arbeit ein eindrückliches Modell der herrschaftlichen Anlage fertiggestellt werden.

Aufgrund der schieren Größe des darzustellenden (bislang ausgegrabenen) Teils der Anlage, der im Original 2,5 Hektar Fläche hat, wählte man den Modellbahnmaßstab Z (1:220), um es überhaupt noch in der räumlich kompakten Dauerausstellung des Römermuseums präsentieren zu können.

 

 

Am Anfang des Modells stand ein langer Prozess, in dem durch Museumsleiter Enrico De Gennaro ein hochgradig detailliertes 3-D-Modell der Baukörper am Computer erstellt wurde. In diesem Zuge erfolgte nicht nur eine akribische Analyse der Grundrisse, sondern auch eine fundierte Rekonstruktion von Aspekten wie der Geschossigkeit, Firstausrichtung, Zugangssituationen und vielem mehr.

Im Anschluss wurde das Modell von einer Spezialfirma direkt farbig 3-D-gedruckt mit einer Genauigkeit von 0,014 mm – am Limit des überhaupt technisch Machbaren.

 

 

Nachfolgend widmete man sich der Rekonstruktion der Garten- und Parkanlagen: Obwohl die Rekonstruktion der Parkanlagen natürlich hypothetisch ist, fußt sie auf zahlreichen Vergleichen und Beschreibungen. Allein aus der Konstruktion der Anlage ergeben sich Blick- und Begehungsachsen, die sich natürlich auch in der Gestaltung des Gartenkonzepts widerspiegelten.

 

 

Dass man Ziergärten nicht als etwas eigentlich Nutzloses ansah, in was nur viel Arbeit und Geld investiert werden muss, ist der römischen Landschaftsauffassung und -ästhetik zuzuschreiben. Die Entwicklung hin zu den Park- und Gartenanlagen des Barock wäre ohne diese römischen Wurzeln genauso undenkbar wie der Garten- und Landschaftsbau an sich.

 

 

Eine große Rolle in der römischen Ästhetik spielten Achsialität, Symmetrie, Fluchtpunkte und immer wieder bewegtes Wasser. Beim Blick aus den Fenstern und aus den Häusern begriff man die gestaltete Natur als gerahmtes Gemälde. Selbst was man als Wildnis darstellte, war eine gestaltete Wildnis, die einem Ideal folgte. Zahlreiche Elemente finden sich auch in schriftlichen Quellen wieder, etwa, dass in Eingangsbereichen und Innenhöfen rote und weiße Rosen in hohem Ansehen standen, in weitläufigen Bereichen erfreute man sich beispielsweise an ausgedehnten Irisrabatten. Weite Teile der römischen Parkanlagen waren von Zierrasen und niederen Buchsbaumhecken geprägt; Bäume und Büsche dienten nicht nur als alleenartige Wegbegleiter, sondern sie sorgten auch im Inneren der Wegezonierung für eine ästhetische Dramaturgie – je nachdem, wie sich der Betrachter durch den Park bewegte.

Daneben gab es in der Konzeption der Anlage sicherlich auch kleinere Nutzbereiche, wie Obst-, Gemüse- und Kräutergärten, die sich näher am Versorgungstrakt der Villa befanden. Diese könnten etwa mit höheren Hecken voneinander und vom Rest der reinen Zierbereiche optisch ausgeblendet worden sein.