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Archäologische Freilichtanlage in Güglingen wird eingeweiht

Archäologische Freilichtanlage in Güglingen wird eingeweiht

Am Sonntag, 13. September, dem bundesweiten „Tag des Offenen Denkmals“, wird die neu entstandene Archäologische Freilichtanlage in Güglingen eingeweiht. Am originalen Fundplatz einer ausgedehnten ländlichen römischen Siedlung im Gewerbegebiet „Ochsenwiesen/Steinäcker“ werden dann die konservierten Reste der langjährigen Ausgrabungen der Kreisarchäologie Heilbronn für die Öffentlichkeit dauerhaft und frei zugänglich präsentiert.


Bereits früh setzte sich der Gemeinderat der Stadt Güglingen für die Erhaltung der Reste des zweiten Mithrasheiligtums in der ausgedehnten römischen Siedlung ein: Dieses Mithräum II sorgte schon während seiner Ausgrabung von 2002 bis 2004 für vielbeachtetes internationales Aufsehen, da es noch über eine fast intakte Ausstattung mit Steindenkmälern und Kultgerätschaften verfügte. Zudem zählt es gemeinsam mit dem 1999 ausgegrabenen Mithräum I zu den sechs bislang einzigen in neuerer Zeit in Baden-Württemberg untersuchten Heiligtümern dieser Art. Erstmals gelang es in Güglingen auch, gleich zwei Mithräen am selben Fundort mit neuester Grabungsmethodik für die Nachwelt zu dokumentieren.

 

Die erhaltene Originalsubstanz von Mithräum II bildet daher auch den wichtigsten Kern der Anlage. Auf den konservierten Resten wurde die beeindruckende Konstruktion des Gebäudes wiedererrichtet, das ursprünglich aus lehmverputztem Holzfachfachwerk bestand. Somit wird nun dem Besucher die Dimension des Heiligtums und dessen Gliederung in einen Vorraum und den eigentlichen, in die Erde eingetieften Kultraum wieder deutlich. Die Anhänger des Kultes lagen dort auf seitlich angeordneten Podien, deren eichene Lattendeckung mit ihren spiegelbildlichen Treppenaufgängen ebenfalls wieder rekonstruiert und begehbar gemacht wurde.


Da die moderne Bebauung der Umgebung das ehemalige römische Siedlungsgefüge völlig überprägt hat, wurden zwei parallele Straßenzüge wieder angedeutet, darunter auch das Teilstück der Straßenverbindung nach Walheim, die die breite Hauptstraße durch den Marktort bildete.


Die streng schematische, kleinteilige Parzellierung der ehemaligen Hausgrundstücke und die einheitliche Bauweise der sogenannten „Streifenhäuser“ wurden ebenfalls wieder verdeutlicht: Zwei Hausgrundrisse sind obertägig wieder angedeutet und eines der länglichschmalen Grundstücke mit einem Weidenrutenflechtwerkzaun eingehegt, wie er auch in römischer Zeit bestanden haben könnte. Ein 8 Meter tiefer Steinbrunnen, der bei den Grabungen zutage kam, wurde ebenfalls erhalten und der Brunnenring obertägig wieder aufgemauert. Er erhielt eine rekonstruierte schindelgedeckte Überdachung aus Holz.


Die didaktische Beschilderung in der Anlage erläutert nicht nur die römische Siedlung und das Mithräum II von Güglingen, sondern führt den Besucher auf seinem Weg in die Anlage entlang von sieben Stationen in die unterschiedlichen Weihegrade des geheimnisvollen Mithraskultes ein.

 

Die Freilichtanlage stellt eine Ergänzung zum Güglinger Römermuseum dar, mit dem es in enger inhaltlicher Verbindung steht. Bewusst werden in der Freilichtanlage zusätzliche Aspekte verdeutlicht, die im Museum nicht gezeigt werden können. Dort befinden sich die Originalfunde der Ausgrabungen, wie beispielsweise auch eine begehbare Rekonstruktion des Kultraumes im Mithräum II, die sich allerdings aus Platzgründen auf den Altarbereich mit seiner Steindenkmäler-Ausstattung beschränken muss.

 

Die offizielle Einweihung durch Bürgermeister Klaus Dieterich findet am Sonntag, dem 13.09.2009, um 11 Uhr statt. Im Anschluss daran sowie um 13, 15 und 17 Uhr führt Museumsleiter Enrico De Gennaro durch die Anlage.

 

Die ganztägige Veranstaltung wird vom Sportschützenverein Güglingen bewirtet, der wie schon bei den „Tagen des Offenen Denkmals“ während der zurückliegenden Ausgrabungen für das leibliche Wohl der Besucher sorgt. Parkmöglichkeiten befinden sich in der Emil-Weber-Straße, von wo aus das Gelände fußläufig zu erreichen ist.