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Sonderausstellung "Der Hildesheimer Silberschatz"

Sonderausstellung "Der Hildesheimer Silberschatz"

Das Römermuseum Güglingen zeigt vom 17.05.-30.11.2009, passend zum 2000-Jahr-Jubiläum der Varus-Schlacht, die Sonderausstellung „Der Hildesheimer Silberschatz“.

 

Der Hildesheimer Silberschatz zählt zu den größten und bedeutendsten römischen Silberfunden. Er umfasst zahlreiche Stücke silbernen Ess-, Trink- und Prunkgeschirrs aus der Regierungszeit des Kaisers Augustus.

 

Hildesheimer Silberschatz

 

Dass der Schatz im Jahr 1868 im freien Germanien aufgefunden wurde, führte schnell zu einer Deutung als „Tafelsilber des Varus“, einer Theorie, die bis heute noch hartnäckige Anhänger besitzt, obwohl der historische Ort der Varusschlacht mittlerweile bei Kalkriese nachgewiesen wurde. Es könnte sich bei den Silbergefäßen zwar tatsächlich um Beutegut aus der Varusschlacht handeln, sehr viel wahrscheinlicher gehören sie aber zu späteren Feldzügen der Römer ins freie Germanien in der 1. Hälfte des 1. Jh. n. Chr. Der Silberschatz wurde wohl in Not vergraben und stammte ursprünglich aus dem Eigentum eines oder mehrerer römischer Offiziere, die diese Silbergefäße für Repräsentationszwecke in Germanien mitgeführt haben und vermutlich bei Verhandlungen und Gastmählern mit germanischen Stammesfürsten zum Einsatz kamen.

 

Die Stücke des Silberschatzes bieten einen besonderen Einblick in das römische Tafelsilber. Geschildert werden in der Ausstellung aber auch seine bedeutenden Einflüsse auf den Arminiusmythos und die Kunst im 19. Jahrhundert.  Besonders Lawrence Alma-Tadema und Anton von Werner verewigten Objekte des Fundes häufig auf ihren Historiengemälden, die bereits damals zu den teuersten ihrer Zeit zählten.

 

Hildesheimer Silberschatz

 

Die Exponate der Ausstellung bestehen aus sämtlichen galvanoplastischen Nachbildungen der WMF Geislingen, die diese in den 1920er Jahren mit größter Detailgenauigkeit von den Stücken des Schatzes hergestellt hat.

 

Zahlreiche Stücke des Schatzfundes wurden in Kampanien gefertigt, während andere Stücke, wie z.B. der Humpen, aus dem gallischen Raum stammen müssen. Aber auch vollkommen einzigartige Stücke befinden sich unter den Objekten, so z.B. eine Bratenschüssel, die kein antikes Vergleichsstück hat. Sie wurde nachweislich als Warmhalteplatte benutzt. Mit einem zusammenklappbaren Dreifuß konnte ein provisorisches Gastmahl an jedem erdenklichen Ort schnell improvisiert werden und ein Kandelaber sorgte für die nötige festliche Beleuchtung. Eine Eierschale diente zum Servieren von Eiern, die stets den Beginn einer Menüfolge darstellten.

Besonders herausragend sind vier Prunkschalen, die plastische Darstellungen von vier unterschiedlichen Gottheiten zeigen. Diese Prunkschalen dienten ausschließlich der Repräsentation des Wohlstandes ihres Besitzers.

 

Hildesheimer Silberschatz

 

Die Objekte lassen insgesamt den außerordentlich hohen Stand der Verarbeitung von Edelmetall um die Zeitenwende erkennen. Sie wurden größtenteils am Stück gegossen, anschließend wurden z.B. Henkel angelötet und Verzierungen z.B. durch Gravur oder Ziselieren aufgebracht und Gefäßpartien vergoldet. Jede der reichhaltigen Verzierungen der Gefäße ist ein kleines Kunstwerk an sich; sie weisen allesamt in den Kosmos der römischen Trinkkultur, die eng mit der Mythologie verknüpft war.


>> Download Ausstellungs-Flyer (PDF)

 

 

Zur Ausstellung ist ein reich bebilderter Begleitband erschienen:

Enrico De Gennaro (Hrsg.)

„Der Hildesheimer Silberschatz in galvanoplastischen Nachbildungen“

Schriftenreihe des Römermuseums Güglingen Band 2

80 S., 141 Abb.

ISBN 978-3-9812803-0-2

Preis: 14,90 €

 

>> Der Artikel im Online-Shop

 

Titelbild Begleitband Silberschatz